Rlt. Düsseldorf, Anfang April

Im Bereich der deutschen Nordseeküste liegt die Mehrzahl der Ölraffinerien. Sowohl das nahe- – gelegene Emsland als auch die Gebundenheit an die Tankerwege der Überseeschiffahrt haben diese Standortlage bedingt. Dennoch befinden sich auch im Ruhrgebiet und am Rhein erhebliche Verarbeitungsanlagen, deren Eigentümer nicht Ölkonzerne, sondern meist die Wirtschafts- und Finanzkreise des deutschen Kohlenbergbaues sind. Sie entstanden einst aus dem Bedürfnis, flüssige Treibstoffe aus Steinkohle, Braunkohle und Steinkohlenpech herzustellen. Auf Grund ihrer sehr wandlungsfähigen Verfahren sind die Hydrierwerke in der Lage, auch schwere Ölrückstände auf flüssige Treibstoffe zu verarbeiten. So lag es nahe, als es nach dem Kriege galt, die deutsche Raffinerie-Industrie auszubauen (um von der Einfuhr fertiger Mineralölerzeugnisse unabhängig zu werden und damit Devisen zu sparen), daß die um Hamburg ansässige Mineralöl-Industrie mit den Hydrierwerken an Rhein und Ruhr in Verbindung trat. Neue vertragliche Beziehungen wurden geschaffen. Diese boten die Grundlage, die teilweise zerstörten Hydrieranlagen wiederaufbauen und in den Produktionsprozeß einschalten zu können. Tausende von Belegschaftsmitgliedern konnten somit in Arbeit gehalten, andere Tausende neu in Arbeit gebracht werden.

Wer sind nun diese großen Werke und wie ist ihre derzeitige Lage im Rahmen der deutschen Mineralölwirtschaft?

Am Rande des Ruhrgebiets, bei Wesseling am Rhein, erheben sich die Großanlagen der Union Rheinische Braunkohlen-Kraftstoff-AG, Wesseling, einst von der deutschen Braunkohlenindustrie gegründet, aber heute voll in das Verarbeitungsprogramm für ausländische Rohöle eingeschaltet. Auf gleicher Stufe steht, unmittelbar zum Ruhrgebiet gehörend, die Gelsenberg-Benzin AG, Gelsenkirchen-Horst, das größte der zum Ruhrgebiet gehörenden Hydrierwerke. Sowohl Wesseling wie Gelsenkirchen haben in der Nachkriegszeit im Rahmen ihres Permits inländische Rohöle neben ausländischen verarbeitet. Das dritte der im Westen der Bundesrepublik liegende Hydrierwerk ist die Scholven-Chemie AG, Buer-Scholven. Dieses Werk hatte 1950 einen Teil seiner Anlagen instand setzen können und nutzt diese zur Druckraffination von Rohbenzol aus. Im Frühjahr 1951 erhielt die Scholven AC durch den Ölausschuß der OEEC die Genehmigung, die Rohölverarbeitung mit einem Durchsatz, von jährlich 400 000 Tonnen aufzunehmen und die hierzu erforderlichen Anlagen des Werkes wiederaufzubauen. Scholven wird voraussichtlich mit der Verarbeitung von Rohöl noch im Frühjahr 1952 beginnen. Vorgesehen ist ferner die Errichtung einer katalytischen Crackanlage.

Die Scholven-Chemie AG verarbeitet Rohöle aus deutscher Erzeugung, vorwiegend Emslandöle, die sie durch Vermittlung der Preussag erhält. Der Vertrieb der Scholven-Produkte läuft an sich über die Verkaufsorganisation des Bergbaues, den Benzol-Verband, Bochum. Aber außerdem hat die Scholven-Chemie AG einen Vertrag mit der BP, Benzin- und Petroleum-Gesellschaft, Hamburg, abgeschlossen, auf Grund dessen Scholven Rohöl erhält und die hergestellten. Produkte durch die BP vertreiben läßt.

Bei der vierten Hydrieranlage handelt es sich um die Ruhröl GmbH, Bottrop, eine Gründung der Zeche Mathias Stinnes; die Ruhröl gehört zur Hugo Stinnes GmbH, einer heute rein US-amerikanischen Gesellschaft, in der Teile des ehemaligen und von den USA beschlagnahmten Hugo Stinnes-Konzerns zusammengefaßt sind. Die Ruhröl hatte Mitte Februar 1952 die Genehmigung der OEEC zur Verarbeitung von Rohöl erhalten. Die Werksleitung kündigte die Aufnahme der Produktion für 1. Mai dieses Jahres an. Vorgesehen ist zunächst der Ausbau einer Verarbeitungskapazität von 250 000 Tonnen Rohöl jährlich. Nach vollständiger Wiederherstellung wird die Ruhröl jedoch in der Lage sein, 500 600 Tonnen durchzusetzen. Autobenzin, Dieselöl und Heizöl werden dann auch von dieser Stätte aus auf den Markt kommen.

Das Werk verarbeitet Rohöl aus dem Nahen Osten und wird die bei etwa 40 v. H. liegenden Rückstände im Hydrierverfahren weiter verarbeiten. Schon früher hatte die Ruhröl Benzin mit hoher Oktanzahl hergestellt. Daran arbeiten die Techniker des Werkes auch jetzt wieder. Sie haben, wie vom Werk zu hören war, ein besonderes Spaltverfahren entwickelt, das eine wesentliche Verbesserung des Destillat-Benzins ermöglicht. Die Hugo Stinnes GmbH, Mülheim/Ruhr, und die dieser Gesellschaft nahestehenden Firmen werden die Produkte vertreiben.