In Westdeutschland haben vor allem soziale Fragen immer wieder zu erregten Diskussionen und erheblichen Spannungen zwischen den „Partnern“ geführt. Dabei ist der Jugend manchmal der Vorwurf gemacht worden, sie stehe den Dingen gleichgültig gegenüber und beteilige sich nicht an der Lösung der vielfältigen Aufgaben, die sich aus den Folgen des Krieges ergaben. Auf politischem Gebiet mag dies vielleicht zum Teil zutreffen. In der Wirtschaft aber kann von einer Interesselosigkeit der Jugend wohl kaum gesprochen werden. Gerade die 6. Arbeitstagung der Jungen Unternehmer in der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Unternehmer in Stuttgart hinterließ den Eindruck, daß sich die jungen Menschen über die gegenwärtigen Schwierigkeiten unseres Zusammenlebens durchaus im klaren und auch bereit sind, an der Beseitigung der bestehenden Gegensätze mitzuarbeiten.

In den mit Ernst und viel Hingabe geführten Diskussionen wurden hierzu manche Anregungen gegeben. So wurde u. a. darauf hingewiesen, daß die Behebung der sozialen Spannungen in erster Linie nicht ein materielles Problem sei, sondern eine Frage der sozialen Stellung und der Menschenbehandlung. Zum Beispiel werde die Unterscheidung in Angestellte und Arbeiter als Werturteil angesehen, so daß viele Facharbeiter ein Angestelltenverhältnis anstreben, obwohl sie sich dadurch finanziell verschlechtern würden. Das gleiche gelte auch für die Unterscheidung Wochenlohn und Monatslohn. Als Gegenbeispiel wurden die USA angeführt, in denen es nur „Beschäftigte“ gebe, die entweder ein festes Gehalt oder Stücklohn bekommen. Beide Lohnarten würden jedoch in denselben Zeiträumen ausgezahlt.

Auch in der Diskussion über die Berufsausbildung des Unternehmernachwuchses standen Menschenkenntnis und Menschenbehandlung im Mittelpunkt. Diese Fähigkeiten könnten, so wurde betont, selbst nicht durch die beste Fachausbildung – sei sie nun akademisch oder praktisch – ersetzt werden. Daß gerade die Menschen, die im „Zeitalter der Masse“ aufgewachsen sind und die wahrscheinlich einmal einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung unserer Wirtschaft haben werden, der Behandlung des Menschen als Einzelpersönlichkeit so großen Wert beimessen, läßt darauf hoffen, daß es – allerdings bei gutem Willen auch auf der Gegenseite – vielleicht doch möglich sein wird, endlich die letzten Überreste einstigen Klassenhasses zu beseitigen und den für unsere Zukunft so notwendigen sozialen Frieden zu festigen. C. B.