Limelight“ (Rampenlicht), der neue Film Charlie Chaplins nach fünfjähriger Arbeitspause, ist die Geschichte eines alternden englischen Komödianten, dem es immer schlechter gelingt, die Besucher der Music Halls zum Lachen zu bringen. Er droht das Opfer der Trunksucht zu werden. Seine Rettung wird ein junges Mädchen, das voll von Hemmungen ist, aus dem er aber eine große Tänzerin macht. Das Mädchen wird von der jungen englischen Schauspielerin Claire Bloom gespielt, die Chaplin durch eine Zeitungsanzeige gesucht und gefunden hat. (Siehe „Die Zeit“ vom 5. April 1951.) An dem Manuskript, in dem er reichlichen Gebrauch von seinen Jugenderinnerungen an englischen Theatern machte, hat Chaplin zweieinhalb Jahre gearbeitet. Amerikanische Zeitungsfachleute, denen er zum erstenmal gestattet hat, die Atelierarbeit zu beobachten, kritisieren, daß der Film nach dem Grundsatz gemacht ist, daß „was vor Jahren lustig war, immer noch lustig ist“ und daß es Chaplin nichts ausmacht, altmodische Clownerien anzuwenden, um die Zuschauer zum Lachen zu bringen, etwa wenn er einen Krampf im Bein hat.

Chaplin aber ist der Ansicht, daß die „komischen Situationen“, die es seit Urzeiten im Leben und in der Literatur gibt, sich in ihren Grundelementen ewig gleich sind; daß man also nichts „Neues“ hinzu zu erfinden braucht. „Es kommt allerdings darauf an“, sagt er, „wie eine solche von jeher komische Situation jeweils gebracht wird. Wenn ein Mann im Frack und mit einem Zylinder einen Tritt in den Hintern bekommt, so ist das immer komisch. Denn die Menschen lieben es, eine aufgeputzte und irgendwie würdige Person erniedrigt und in den Dreck gezogen zu sehen. Ich habe deswegen auch in ‚Limelight‘ einige uralte Gags, die, hoffe ich, so komisch wirken werden, als hätte ich sie gerade eben erst erfunden. An einer Stelle z. B. habe ich einen Krampf im Bein, und ich lasse die Zuschauer nun miterleben, wie dieser Krampf langsam am Bein hinauf unter der Hose verschwindet. Oder ich lasse meinen Geiger, während er geigt, ins Orchester fallen Übrigens“, fügte er hinzu, „eine komische Szene gewinnt Leben niemals aus dem Dialog. Was gesagt wird, das vergißt man rasch, aber das, was geschieht – das prägt sich ein. Ich bin also auf Handlung, auf Geschehen aus, was geredet wird, nun, ich will es Ihren verraten: damit stopfe ich die Lücken aus und weiter nichts.“

Der Film wird demnächst in New York uraufgeführt. F/H