Die Bediensteten der Hamburger Hochbahn AG. freuen sich, denn ihre Streikdrohung war erfolgreich. Sie erhalten rückwirkend ab 1. März d. J. höhere Löhne. Hamburgs Bevölkerung allerdings hat keinen Grund, in diesen Jubel einzustimmen. Sie wird nämlich von dieser Neuregelung nicht unberührt bleiben, sollen doch die entstehenden Mehrkosten durch eine Erhöhung der Fahrpreise aufgebracht werden. Die Einnahmesteigerung von etwa 10,4 Mill. DM jährlich oder fast 20 v. H., die sich nach der letzten Fahrpreiserhöhung im Herbst 1950 ergab, ist durch höhere Aufwendungen (für Löhne, Materialien, Verbesserung der Verkehrsleistungen) nämlich längst mehr als wettgemacht worden.

Diese Entwicklung ist bedauerlich, und sie kann, wenn das Beispiel Schule macht, gefährlich werden. Was hier praktiziert wird, ist die Durchsetzung eines Gruppeninteresses auf Kosten des Allgemeininteresses. Wirtschaftliche Macht tritt an Stelle der wirtschaftlichen Vernunft und – auch das muß gesagt werden – der Gerechtigkeit. Denn es gibt nur eine Situation, in der die Lösung eines solchen Interessenkonfliktes zugunsten der Gruppe wirtschaftlich und rechtlich zu vertreten ist; dann nämlich, wenn die Gruppe, gemessen an anderen, besondere Not leidet, weil ihre Leistung für das Sozialprodukt unterbewertet wird. Das aber ist bei der Hochbahn nicht der Fall. Die Einkommen der Schaffner, Fahrer und Handwerker liegen schon nach einigen Dienstjahren zum Teil beträchtlich über der 300-DM-Grenze, ohne Sozialleistungen wie Kinderzulagen, Gratifikationen, Freifahrten und freie Dienstkleidung. Man geht wohl nicht fehl in der Behauptung, daß Schaffner und Fahrer in der Gruppe der ungelernten oder angelernten Arbeiter, was die Lohnhöhe betrifft, nicht am Ende stehen.

Die Hamburger Bürgerschaft wird die undankbare Aufgabe haben, über die geplante Tariferhöhung zu beschließen. Sie sollte dies nicht tun, ohne vorher die erheblichen freiwilligen sozialen Leistungen der HHA einer eingehenden Prüfung unterzogen zu halben, wenn ihr schon eine Einwirkung auf die Lohnhöhe versagt bleibt Über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinausgehende betriebliche Sozialfürsorge ist etwas sehr Schönes: sie muß aber ihre Grenze finden in der Tragbarkeit ihrer finanziellen Auswirkungen. Ihre Kosten auf dem Wege einer monopolistischen Steuer der Allgemeinheit aufzuerlegen, um sich den Ruf als sozial vorbildlicher Unternehmer zu erhalten, ist ein „billiger“ Ausweg.

E. F.