Von Karl Kowalewski

Kürzlich wurde gemeldet, daß Friedrich der Große von seiner gegenwärtigen Ruhestätte im Marburger Dom in die Hohenzollernburg überführt werden soll. Studenten legten auf die Grabplatte einen Kranz mit der Inschrift: „Vergiß, mein Volk, die großen Toten nicht.“ Vor dem Portal des Doms verlasen sie bei Fackelschein eine Erklärung, daß Friedrich der Große eines Tages wieder nach Potsdam überführt werden müsse.

Jetzt wird gemeldet, daß Otto Gebühr noch in diesem Jahr sein „come-back“ als Friedrich-Darsteller feiern wird. Der Gloria-Film-Verleih will einen zweiteiligen Farbfilm über Friedrich den Großen herausbringen. Noch vor drei Jahren hätte diese Meldung Entsetzen hervorgerufen: die Deutschen hätten gerufen: „Neo-Militarismus!“ Das Ausland hätte gerufen: „Neo-Nazismus!“ Und heute? Sind wir wieder aufnahmefähig für das, was man „Irrwege unserer Vergangenhat“ nannte? Und weiter: Haben wir Deutschen aus der Erfahrung der letzten sieben Jahre gelernt, unserer Vergangenheit endlich mit Haltung zu begegnen? Oder ist unsere geschichtlich-politische Urteilskraft durch Psychosen wie Kollektivschuld und Re-education bereits hoffnungslos zermürbt? – Die Heimkehr Friedrichs des Großen in die Burg seiner Ahnen und die Rückkehr seines „Doppelgängers“ Otto Gebühr auf die Leinwand – es gibt allerdings keine tragi-komischere Duplizität eines Ereignisses.

Erster Teil

1. Akt: Januar 1945. Die Schlacht um Berlin ist entbrannt. Die Hauptstadt des ehemaligen Preußens bröckelt unter den Schlägen der russischen Artillerie zusammen. Die Särge Wilhelm I. und Friedrichs des Großen werden zusammen mit den Särgen Hindenburgs und seiner Frau auf einem Lkw. nach Thüringen transportiert. Dort versteckt man sie in dem unterirdischen Stollen einer V-Waffen-Fabrik im Südharz.

2. Akt: Die Amerikaner rücken ein. Sie beweisen historischen Sinn. Sie haben nicht vergessen, daß der aufgeklärte Despot von Potsdam der jungen amerikanischen Republik einst große Sympathien entgegenbrachte. Den Russen, die ihn wegen Zorndorf gar nicht in guter Erinnerung haben, soll sein Leichnam nicht in die Hände fallen. Der Sarg wird in die amerikanische Zone übergeführt.

3. Akt: 1946. Die Marburger wundern sich, was in ihrer Elisabeth-Kirche vor sich geht. „Ausschachtungen lassen die Amerikaner vornehmen“, flüstert man. Aber niemand erfährt genaueres. „Top Secret!“ befahlen die Amerikaner. Und noch einen anderen Befehl erteilten die Amerikaner: die Gräber sollten tief eingelassen werden! So tief war Preußen gesunken! Vier Wochen dauern die Vorbereitungen. Dann halten eines Tages Autos vor dem Dom. Sie bringen Trauergäste, zum Teil aus dem Internierungslager. Vor ihren Augen wurden Wilheim I., Friedrich der Große, Hindenburg und seine Frau „in aller Stille“ beigesetzt.