Es ist nicht wahr, daß es keine Märchen mehr gibt. Alfred, durch jahrelange Gefangenschaft aus Beruf und Milieu geraten, arbeitslos, liest nach mancher vergeblichen Anstrengung, einen Erwerb zu sichern, ein Inserat, durch das ein Chauffeur gesucht wird. Das Haus ist in Hamburg-Othmarschen, wo man sich in Villenstraßen sowieso schon schwer zurechtfindet und dazu die Straßennamen geändert wurden. Er findet es nicht, ängstigt sich, die Anstrengung möchte wiederum fehlschlagen, und entschließt sich, ein junges Mädchen anzusprechen. „Ja“, sagt dieses, „in der Straße wohnen wir, das Haus kenne ich. Kommen Sie mit. Ich zeige es Ihnen.“

Aus dieser Begegnung ist eine Ehe geworden, und das Mädchen ist die Tochter des Generaldirektors der Stahlwerke Blend & Cie, der einen de Soto fährt. Außerdem ist es jung und schön.

Alfred war kein Filmschauspieler, kein Jazzmusiker. Er spielte noch nicht einmal Fußball.

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Izabell, 17 Jahre, korrespondierte mit einem Onkel, der in Venezuela wohnte, die 50 überschritten hatte und den sie nie gesehen. Auf einmal hörte die bisher rege Korrespondenz auf, aber Izabell ging nun öfter über die Grenze. Sie wohnten in Lindau. Beides fiel der Mutter auf, sie schaute nach und fand ein Bündel Briefe, die postlagernd nach Bregenz geschickt worden waren. Aus ihnen ging hervor, daß sich die beiden auf Entfernung ineinander verliebt hatten und daß der Onkel unterwegs war, um die Nichte zu entführen.

Der Romantik der Verliebten wurde die Polizei entgegengestellt, die den Onkel verhaftete, als er die Grenze überschreiten wollte. Um Izabell zu trösten, durfte sie nach Salzburg gehn und Schauspielunterricht nehmen. Hier kam sie in Beziehungen zu einem Studenten und zu einem Kind, und ein anderer Onkel heiratete sie, um die Familienehre zu retten.

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