Auf seiner Vollversammlung in Hannover sprach sich der Deutsche Forstwirtschaftsrat, dem alle Gruppen (Staats-, Privat- und Körperschaftsforsten) angehören, für eine völlige Freigabe der Holzpreise aus, weil die im Oktober getroffene Regelung der „Angemessenheitspreise“ zu einer nicht vertretbaren Marktspaltung geführt habe. Wie MinisterialratKlietsch, der Vorsitzende des Holzmarktausschusses, hierzu ausführte, sei die unerfreuliche Entwicklung eingeleitet worden durch kapitalkräftige Händler aus dem norddeutschen Raum („..es waren da Figuren bei, die früher schwarz mit Zigaretten handelten!“), die mit ihren hohen Geboten vor allem in Süddeutschland „den Markt ins Wanken brachten“. Der Forstwirtschaftsrat wartet seit Wochen auf eine völlige Preisfreigabe, weil seiner Meinung nach die Situation dafür jetzt reif sei.

Die Importabschlüsse hätten nun einen Umfang erreicht, daß ein ungebührliches weiteres Steigen der heimischen Holzpreise von dieser Seite her verhindert werde. Mutmaßlich werde nachder Freigabe der Preis für Nadelholz um etwa 30 DM/fm höher liegen, als der augenblickliche offizielle Preis, das heißt in der Mitte zwischen den gegenwärtigen offiziellen und den Schwarzmarktpreisen. Der Endverbraucher brauche davon überhaupt nichts zu verspüren, weil die verarbeitende Industrie schonjetzt einen Mischpreis kalkuliere, aus dem offiziellen und dem schwarzen Angebot.

Für das laufende Jahr wird mit Holzeinfuhren von mindesten 6 Mill. Festmeter Rohholz gerechnet, darunter 1,7 Mill. cbm Nadelschnittholz, 2,3 Mill. rm Faserholz und 900 000 fm Grubenholz. Beachtenswert sind im deutsch-finnischen Warenabkommen die Kontingente für Rohholz, nämlich 1 Mill. rm Papierholz, 500 000 fm Grubenholz, 20 000 fm Telegrafenstangen und rund 470 000 cbm Schnittholz. Aus Schweden werden erwartet: 580 000 cbm Nadelschnittholz, 100 000 fm Kiefern-Grubenholz, weiter Telegrafenstangen und Masten, Schwellen und für 1,25 Mill. $ Sperrholz. Leider wurde dem deutschen Wunsch nach wesentlich höheren Grubenholzeinfuhren nicht entsprochen und für Faserholz ein Einfuhrkontingent überhaupt nicht vereinbart. Im Abkommen mit Polen sind unter den polnischen Lieferungenim Gesamtwert von 62 Mill. $ ebenfalls beachtliche Mengen an Holz, darunter Grubenholz. Der Preis für Holz aus den nordischen Ländern liegt über denen des Inlandmarktes (dafür ist aber auch die Qualität besser), während Schnittholz aus Österreich in der bayerischen Grenze sich mit den Inlandpreisen durchaus. messen kann. Die Tendenz der Ausfuhrländer, kaum noch Rundholz abzugeben, dafür mehr und mehr Halb- oder gar Fertigwaren, ist nicht zu verkennen. Diese Holzimporte werden vom Forstwirtschaftsrat begrüßt. Dort, wo die Preise bereits seit Oktober ungebunden sind, also beim Laubholz, haben die jüngsten Auktionen ein Absinken der Preise gezeigt. So sind auf der Würzburger Eichenauktion die Gebote um 20 bis 25 v. H. zurückgegangen.

Sein Versprechen, das Holzangebot zu verstärken, hat der Forstwirtschaftsrat gehalten, wie in Hannover betont würde. Bis zum 31. Januar habe die Forstwirtschaft des Bundesgebietes, seit Beginn des Forstwirtschaftsjahres (1. Oktober), bereits 10,35 Mill. fm Holz eingeschlagen und damit das Holzeinschlagsprogramm des laufenden Forstwirtschaftsjahres innerhalb von vier Monaten fast zur Hälfte erfüllt. Da auch der Verkauf des eingeschlagenen Holzes bedeutend beschleunigt wurde, waren Ende Januar schon 6,21 Mill. Im verkauft, das heißt 27 v. H. mehr als zur gleichen Zeit im Vorjahre. Der Einschlag bis zum 1. März habe bereits zu 64 v. H. das Einschlagsprogramm erfüllt, in Bayern sogar zu 84 v. H. Der bäuerliche Wald, der sich am stärksten am schwarzen Markt beteiligte, sei keineswegs zurückhaltender im Angebot geworden; vielmehr hätten hier die hohen Preise mehr Holz aus dem Wald herausgeholt. Im Augenblick sei allerdings allgemein eine Zurückhaltung zu spüren, da die Preisfreigabe erwartet werde: einmal, weil das augenblickliche Verfahren nicht mehr sinnvoll sei, zum andern, weil man eine Rückkehr zur Zwangswirtschaft aus technischen und autoritativen Gründen für undurchführbar halte.

Von einzelnen Ausnahmen abgesehen, besonders dem Harz, verfügten die Sägewerke über einen guten Vorratsstand. An Rundholz seien hier zu Jahresanfang 1 056 000 fm vorhanden gewesen gegenüber 1 042 000 fm zu Beginn des Vorjahres.

Bei Schnittholz war das Verhältnis noch besser mit 852 886 fm gegenüber 810 000 fm im Vorjahr.

Besonderes Augenmerk richtet der Forstwirtschaftsrat auf die Ertragssteigerung des bäuerlichen Kleinwaldbesitzes. Weiter will man die Nutzholzverwertung erhöhen; im letzten Jahre wurden etwa 50 v. H. des Holzeinschlags als Brennholz aufgearbeitet. K. D.