Von der Vereinigung der amerikanischen Kriegsteilnehmer aus zwei Weltkriegen, der American Legion, wurde kürzlich der forcierte Ausbau der Handelsflotte durch die Bereitstellung eines fast an einen Hilfskreuzer grenzenden neuen Frachtertyps gefordert. Der unermüdlichen, das Nationalgefühl wie das wirtschaftliche Denken der Amerikaner geschickt ansprechenden Werbung ist der Korea-Krieg zu Hilfe gekommen. Der erste Teil dieser vorläufig auf 30 Schiffe begrenzten Flotte des „Mariner“ genannten Frachtertyps wird, nachdem der Kongreß vor einem Jahr seine Zustimmung gegeben hat, von der Regierung finanziert. Die Baukosten sind mit 350 Mill. veranschlagt. Der „Mariner“ soll zunächst zur Verfügung der zuständigen Regierungsstellen bleiben. Eine je nach der weltpolitischen Lage befristete Überlassung der Neubauten an private USA-Reeder ist vorgesehen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit des „Mariner“ wird mit 20 Meilen bezeichnet. Mit einer Tragfähigkeit von 12 900 t, einer Länge von 563 Fuß, einem reichlichen, auf sieben Luken arbeitenden Lösch- und Ladegeschirr werden diese Schiffe nicht nur die im kommerziellen Nachkriegsverkehr bewährte „Victory“-Klasse weit hinter sich lassen, sondern auch schnellen und technisch vollkommen durchgebildeten Frachtschiffneubauten der europäischen Länder eine überlegene Konkurrenz bieten.

Die kommerziellen Rückwirkungen der neuen amerikanischen Wettbewerbsflotte können richtig nur unter den Gesichtspunkten verstanden werden, die zum Bau und zur staatlichen Finanzierung dieser Neubauflotte führten. Hinter der von der amerikanischen Öffentlichkeit und der privaten Wirtschaft akzeptierten „Aufrüstung“ der Handelsflotte stehen die Erfahrung des zweiten Weltkrieges, des Korea-Krieges und eines zu einem festen Bestandteil der öffentlichen Meinung gewordenen maritimen Denkens, so wie sie die American Legion auf ihre Fahnen geschrieben hat. Es ist geboren aus der Erfahrung und nicht zuletzt den schweren Verlusten, die sich im zweiten Weltkrieg wie im Korea-Krieg beim amerikanischen Nachschubwesen ergeben haben, und bedeutet eine völlige Wandlung des Denkens und der Planung auf dem militärischen wie dem zivilen Abschnitt. Der „Mariner“-Typ ist die endgültige Absage an das Geleitzugwesen. Das amerikanische Handelsschiff von morgen soll und wird in der Lage sein, bei Heranziehung zu Kriegsdiensten, auf der-Fahrt durch die vom Gegner bedrohten Seegebiete also, allein ohne den Geleitschutz, mit einer den Kriegsverhältnissen angepaßte Ausstattung, seine Aufgabe zu erfüllen. Jeder „Mariner“ ist nach kurzfristigen Installationsarbeiten in der Lage, zwei Hubschrauber mit sich zu führen, um selbst gegen U-Boote aufzuklären ...

Finanzierung und Baubeginn von zunächst 30 dieser Schnellfrachter vom „Mariner“-Typ wird als ein Anfang bezeichnet. Die amerikanische Werftindustrie, die Schwerindustrie und die Schiffahrt werden darauf vorbereitet, in kürzerer Frist bereits ein wesentlich größeres Bauprogramm finanziell und technisch zu übernehmen. Die Begründung für diese ungewöhnlichen Maßnahmen hat Martin. B. Buckner, einer der führenden Männer der American Legion’s National Security Commission, gegeben: „Im vorigen Kriege haben wir nur durch das jahrelang hinhaltende Kämpfen der Alliierten die Zeit gefunden, um die amerikanische Industrie in die Lage zu setzen, 5000 für den Nachschub und für den Versorgungsverkehr bestimmte Frachter zu bauen, ohne die wir niemals den Krieg gewonnen hätten. In einem etwaigen neuen Krieg wird die Zeit nicht unser Bundesgenosse sein.“ H. Weising