Während der offiziellen Feiern aus Anlaß der 300. Wiederkehr jenes 6. April, in dem der Holländer Jan van Riebeeck an Bord der „Dromedar“ in die Tafelbucht einlief und mit den ersten weißen Ansiedlern südafrikanischen Boden betrat, herrschte Burgfrieden in Südafrika. Diese schönen Tage sind nun zu Ende. Die 2,6 Millionen Weiße der Südafrikanischen Union stehen sich wieder in zwei feindliche Lager gespalten gegenüber, eine Erbschaft aus dem Burenkrieg vor 50 Jahren. Akuter Anlaß zur Verschärfung dieses Streites war der Versuch der Regierung Malan, das Wahlrecht für die Mischlinge zu ändern.

In der Südafrikanischen Union besitzt nur die weiße Bevölkerung uneingeschränkt: Bürgerrechte. 8,5 Millionen einheimischer Neger, 365 000 „Asiaten“, 63 000 „Malayen“ dürfen nicht wählen. Von mehr als einer Million Mischlingen besitzt, nur in der Kap-Provinz, eine Elite von 55 000 Gebildeten und Besitzenden das Wahlrecht. Diese 55 000 konnten bisher in den 55 Wahlbezirken, in denen sie wohnen, irgendeinen der dort aufgestellten Kandidaten wählen. Durch ein neues, vom Parlament mit einfacher Stimmenmehrheit angenommenes Gesetz war nun bestimmt worden, daß die Mischlinge in Zukunft vier eigene – selbstverständlich weiße – Abgeordnete zu wählen haben, die keiner der beiden rivalisierenden Parteien angehören dürfen.

Bisher wurde der Ausgang der Wahlen in der Kap-Provinz durch den Einfluß der Mischlingsstimmen stark beeinflußt. Diese Mischlinge haben in der Vergangenheit stets für die Kandidaten der englisch orientierten „Vereinigten Partei“ gestimmt, die in scharfer Opposition zu der „Nationalistischen Partei“ des Ministerpräsidenten Dr. Daniel F. Malan steht. Daß die jetzige Regierung ein Interesse daran hat, diese Wahlentscheidung durch die Mischlinge in Zukunft zu verhindern, liegt auf der Hand. Ihre augenblickliche Parlamentsmehrheit ist sehr schwach. Falls aber bei den Anfang nächsten Jahres stattfindenden Neuwahlen nach den Bestimmungen des neuen Gesetzes gewählt werden sollte, kann mit Sicherheit damit gerechnet werden, daß die „Vereinigte Partei“ einen Mandatsverlust erleiden wird.

Inzwischen hat aber das Oberste Gericht der Union entschieden, daß das neue Wahlgesetz für die Mischlinge ungültig sei, weil es die Verfassung ändere und daher der Zweidrittel-Mehrheit bedurft hätte. Entgegen ihren sonstigen Gewohnheiten beruft sich die Regierung in dem entstandenen Verfassungskonflikt auf die englische Tradition, nach der die Suprematie des Parlamentes über die Entscheidungen jedes Gerichtes außer Frage stehe.

Was also bei einer oberflächlichen Betrachtung den Anschein erwecken könnte, als werde in der Südafrikanischen Union ein Kampf um die Rechte von Schwarz und Weiß durchgeführt, zeigt sich in Wirklichkeit als der wiederauflebende Streit zwischen Buren und Engländern. E. K.