Nationen vergleichen ihren Humor – III. Der Witz der Israelis und die Sowjet-Anekdote

Der Autor eines der erfolgreichsten englischen Bücher, George Mikes („How so be an Alien“) hat in der vorigen Ausgabe der „Zeit“ (Nr. 16 vom 17. April) seine Schilderung über den modernen Humor Israels begonnen, besser gesagt: seine Schilderung dessen, daß im neuen Israel der jüdische Witz nicht die Rolle spielt wie sonst überall in der Welt. Auf George Mikes, dessen Aufsatz über den jüdischen Humor heute beendet wird, folgt André Pierre, der französische Autor, der den Humor untersucht, soweit er im heutigen Sowjet-Rußland noch vorhanden ist.

In Israel wird heute hart gearbeitet

Der Vorrang der Handarbeit muß bei Menschen, die durch Generationen dem Geschäft und dem Handel zugewandt waren, nicht nur die Grundlagen ihres sozialen Lebens, sondern auch ihres Humors umstürzen. In einem kleinen Land, wo jeder Quadratmeter, welcher der Kultur und dem Aufbau dienen soll, der Wüste entrissen werden muß, braucht man natürlich Erdarbeiter dringender als Handelsagenten. Daher bilden heute die Handarbeiter die Aristokratie in der Welt der israelischen Arbeit. Wissenschaftler, Professoren, berühmte Advokaten handhaben Schaufel und Hacke, ohne länger von ihrer vergangenen Existenz zu träumen.

Die folgende Geschichte ist ziemlich charakteristisch für die gegenwärtige Situation: Eine Frau geht in ein Heiratsbüro und erklärt dort, sie besitze eine Million und suche einen Mann.

„Wir wollen sehen“, sagt der Direktor des Büros, „ich habe hier einen kleinen Kaufmann auf der Liste, und ich werde...

Die Frau unterbricht ihn und sagt: „Nein, danke, ich will keinen kleinen Budiker!“