A m 14. Mai wird in Paris in der Galerie Char pentier die Sammlung Gabriel Cognacq versteigert werden. Seit einem Vierteljährhundert hat es in Europa eine Auktion von solchem Gewicht nicht gegeben. Die Cognacq, Begründer des Pariser Warenhauses, Samaritaine, haben in erster Linie französische Meister vom 17 bis zum 20. Jahrhundert gesammelt, dazu auch einige Holländer und Italiener von Rang. Die Galerie war ursprünglich dem Louvre vermacht. Streitigkeiten nach dem Kriege zwischen der Verwaltung des Museums und den Besitzern der Sammlung haben dazu geführt, daß sie jetzt öffentlich versteigert wird. Das ist sehr zu beklagen, denn wenn auch in Frankreich vermutlich Beträge in sehr großer Höhe zur Verfügung stehen, um einiges Wichtige zu erwerben, so dürften diese Summen angesichts der außerordentlichen Qualität der angebotenen Bilder keineswegs ausreichen, um alle Meisterwerke, die diese Sammlung enthält, für Frankreich zu sichern. Vieles dürfte für Europa verloren sein.

Die Abteilung französischer Bälder beginnt mit einem Antoine le Nain, einem verhältnismäßig kleinen Bilde aus der ehemaligen Sammlung Nemes, das alle Vorzüge der ein wenig fetten, opaken Malweise der Familie le Nain besitzt. Das 18. Jahrhundert ist vorzüglich vertreten, unter anderem durch zwei herrliche Zeichnungen und zwei Gemälde von Fragonard sowie durch fünf Bilder von Boucher, durch Greuze und Drouais. Von Meistern der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seien erwähnt: Corot (fünf Landschaften, darunter die herrliche Paysage du Morvau) und ein spätes figürliches Bild (la Soubrette ä la fleur rouge), Courbet mit einem grandiosen weiblichen Akt aus seiner besten Zeit (1858), Daumier mit einem Aquarell (zwei Richter) und einem Ölbild (Badende), Gericault mit einer Skizze (Jupiter und Alkmene) und Boudin mit mehreren Landschaften.

Besonders großartig sind die Impressionisten vertreten: Manet, Degas, Monet, Renoir, Pissaro, Sisley, aber auch die stilistisch späteren, Cfeanne, (arbres et maison und das wundervolle Stilleben pommes eb biscuits), van Gogh, Vüillard und Marquet. Dazu Plastiken von Carpeaux, Bourdelle, Rodin und Maillol.

Vor den Holländern des 17. Jahrhunderts ist besonders bemerkenswert ein Genrebild von Tenie s dem Jüngeren, "Der Geldwechsler und sein Weib", eine vorzügliche psychologische Studie 5einer alternden Frau. Von Italienern ist nur ein Bild vorhanden, aber dieses von allererster Qualität: Francesco Guardi "Der Canale Grande bei San Simeone".

Denkt man an die Lücken, die Hitlerregime, Krieg und Nachkrieszeit dem deutschen Museumsbesitz geschlagen haben, wird man es besonders beklagen, daß wir bei dieser Auktion als Käufer nicht auftreten können. Wir werden wahrscheinlich, da der private Kunstbesitz in Europa immer stärker schwindet, uns damit abfinden müssen, daß wir die Verluste der letzten zwanzig Jahre nie wieder gutmachen können. M. R.