Professor Baade, der jetzt das von Bernhard Harms geschaffene Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel leitet, schreibt in der „Stuttgarter Zeitung“, daß der von Deutschland geforderte finanzielle Verteidigungsbeitrag, dessen Höhe er (nicht ganz präzise) auf rund 11 Mrd. DM beziffert, „unter keinen Umständen“ aufzubringen sei. So zu urteilen, ist zweifellos das gute Recht des Politikers Baade. Andererseits ist es ebenso unser gutes Recht, Zweifel in die nationalökonomische Erkenntnis des Wissenschaftlers Baade zu setzen, wonach die Überbelastung genau drei Milliarden ausmachen soll.

Wenn aber nun Professor Baade vorschlägt, diese drei Milliarden zur Finanzierung der wichtigsten Investitionen – Grundstoffindustrie, Energiewirtschaft, Bau von Wohnungen da, wo neue Arbeitsplätze entstehen – einzusetzen, so hat er einen entscheidend wichtigen Punkt übersehen: nämlich, daß der Bund dies Geld nicht ausgeben kann, ohne es vorher, in Form von Steuern also, eingenommen zu haben ... Unsereiner könnte allenfalls vorschlagen, daß die zu investierenden Mittel (nach Freigabe des Kapitalzinses) „marktgerecht“ aufgebracht und für engpaßaufsprengende Investitionen in eigener Verantwortung der betreffenden Unternehmen eingesetzt würden: sei es über die Selbst-, sei es über die Fremdfinanzierung. Professor Baade aber muß ja wohl, der Doktrin seiner Partei folgend, darauf bestehen, daß die Selbstfinanzierung (weil angeblich zu schlimmen Fehlinvestitionen führend) möglichst abgestoppt wird, und daß alle Investitionen geplant, gelenkt, gesteuert werden.

Wie Profesor Baade dies Dilemma, in das er sich da ahnungslos hineinbegeben hat, lösen könnte, ist schwerlich abzusehen. Klar ist nur, wie er da hineingeraten ist: weil er nämlich übersieht, daß ein über den Wehretat finanzierter Unterkunfts- oder Hausbau eben auch Wohnraum schafft; weil er nicht zugeben will, daß jeder Mann, der künftig von der Wehrmacht versorgt wird, einen Arbeitsplatz freimacht, auf den ein Erwerbsloser nachrücken kann; weil er nicht anerkennen mag, daß der zusätzliche öffentliche Bedarf, der mit der Leistung des Wehrbeitrags in Erscheinung tritt, Umsätze und Erträge schafft, die nun wiederum mit dazu verhelfen können – über die marktwirtschaftliche Automatik freilich! – die Investitionslücke zu schließen. G. K.