Rlt. Düsseldorf, Mitte April

Unvergessen ist im Ruhrgebiet der Wunsch der Sieger, die Namen der großen deutschen Werke „für alle Zeiten auszulöschen“. Der Mannesmann-Konzern gehörte zu den ersten Opfern der alliierten Entflechtungen; aber gerade in diesem Werk bestand der Mut, die entflochtene Gesellschaft nicht um ihren weltbekannten Namen Mannesmann zu bringen. Die Erinnerung daran tauchte auf, als am 8. April 1952 die neue Holding der Mannesmannwerke in Düsseldorf begründet wurde, und als die Obergesellschaft den Namen Mannesmann AG wählte.

In dieser Holding von 160 Mill. DM AK werden als Töchter fünf Gesellschaften zusammengefaßt, und zwar die bisher entflochtene Hüttenwerk Huckingen AG als Mannesmann-Hüttenwerke AG, Duisburg-Huckingen, ferner die bisher entflochtene Westdeutsche Mannesmannröhren AG als Deutsche Mannesmannröhren-Werke AG, Düsseldorf, sodann die Mannesmann-Bergwerke AG, Essen, die Mannesmann-Rohstoffwerke GmbH, Düsseldorf, und die Kronprinz AG, Solingen-Ohligs.

Natürlich hat auch hier die Neugründung tiefe Einschnitte in den alten Mannesmann-Komplex verursacht. Ein großer Teil der alten, treuen Arbeiter- und Angestelltenschaft muß mit abgetrennten Werksteilen draußen bleiben. Wirtschaftliche Folgen wird vor allem der starke Verlust auf der Kohlenseite haben. Generaldirektor Wilhelm Zangen sprach in diesem Zusammenhang bei der Gründungsfeier einige bittere Worte: „Selbstverständlich sind wir mit der neuen Ordnung nicht zufrieden, zumal unser international ausgerichtetes Unternehmen durch den Riesenverlust seiner Auslandspositionen schon ohnehin gewaltig reduziert wurde. Unser altes Unternehmen war ein harmonisches Gebilde, wie man es sich wirtschaftlich nicht besser denken konnte. Statt unseren Steinkohlenbesitz vergrößern zu können, mußten wir den gegenteiligen Weg gehen und kohlenwirtschaftlich wichtige Verbindungen zerstören. Auch zerriß die Abtrennung der Hahnschen Werke aus dem Verbund Mannesmann-Kronprinz eine sich glänzend auswirkende Rationalisierung und Kostenverbilligung“, So sagte Zangen, einer der großen markanten Vertreter westdeutschen Unternehmertums.

Der Mannesmann-Gruppe wurde nicht nur ein Teil der Zechen (Consolidation und Unser Fritz) zwangsweise ausgegliedert, sondern auch die Hälfte des Kokerei-Besitzes entwunden, so daß die Mannesmann AG künftig in ihrer Bergwerksgesellschaft nur noch die Zeche Königin Elisabeth und 50 v. H. Anteil an der Mannesmann-Kokerei AG besitzt. Als neue eigene Gesellschaft und außerhalb Mannesmann bleiben auch die Hahnsche Werke AG, die Kammerich-Werke AG, Bielefeld, das Röhrenwerk in Bous an der Saar, die Maschinenfabrik Meer AG, M.-Gladbach, sowie die Eisen- und Metall AG, Essen. Diese fünf Betriebe werden künftig als „Stahlindustrie- und Maschinenbau-AG“, Düsseldorf, ein selbständiges Dasein führen.