Mannheim, im April

Mit dem Schauspiel „Früchte des Nichts“, das das Nationaltheater Mannheim in seiner Studiobühne in der Kunsthalle uraufführte, schloß der sechsteilige Dramenzyklus „Jugend zweier Kriege“ von Ferdinand Bruckner. An den Wendepunkten der historischen Entwicklung der letzten dreißig Jahre hatte der Autor jeweils versucht, die „Krankheit der Jugend“ – so hieß auch das erste (und beste!) dieser Stücke – in ihren psychologischen und soziologischen Ursachen zu analysieren. Doch merkte man es gerade den letzten allzusehr an, daß Bruckner sie eben außerhalb Deutschlands geschrieben hat und das Leben der jungen Generation bei uns nur noch aus der Ferne, vom Hörensagen kannte. Noch immer gibt es dramaturgisch glänzend gebaute, menschlich packende Szenen darin, aber sie sind in einen Dialog von geschwollenen Bedeutungslosigkeiten gepackt, wie ihn junge Menschen von heute höchstens in schlechten Reportagen zu reden pflegen. Und wenn Schauspieldirektor Paul Riedy sie auch fast ausnahmslos umschrieb und sprechbar zu machen versuchte, wenn er seine Inszenierung in eine hektisch erregte Atmosphäre hineintrieb, so stammte die Grundsituation des Stückes doch eher aus der Welt der Jugend nach dem ersten Weltkrieg als aus der nach dem zweiten.

Die äußeren Tatsachen sind dem Leben einiger Primaner in einer zerstörten Stadt kurz vor der Währungsreform entnommen. Sie hatten irgendwo im Ruinenfeld zusammengesessen und „träumten, was alles aus dem Zusammenbruch entstehen wird“. Sie lasen Dostojewskij, Nietzsche und Sartre (allerdings nur aus Zeitschriftenauf sätzen) und meinten dann, „daß die Existenz des Menschen fragwürdig ist in ihrer Absurdität“.

Die Freundin des einen will nach Italien, und der Erznihilist Foß, der enttäuschte und haltlos gewordene Gert und die noch immer religiöse Creszenz trampen mit ihr los. Ein Chauffeur, der sie ein Stück mitnahm, wird seines reich bestückten Eßkorbs wegen über den Haufen geknallt – und dann ist die Polizei hinter ihnen her. Sie finden keinen Ausweg mehr aus der Misere. Zuletzt will Gert sich erschießen, Foß jedoch hat die Revolver schon fortgeworfen. Mit einer etwas unvermittelten biblischen Anspielung auf Hiob, der nach seinen Prüfungen doch wieder zu Kräften kam und ein reiches und langes Leben führte, erwarten sie die Polizei.

Die Darsteller waren für die Siebzehn- und Achtzehnjährigen zu alt. Trotzdem machten Gerhard Jentsch, Arnold Richter und Aldona Ehret aus ihren Rollen noch einigermaßen echte Figuren. Ulrich Seelmann-Eggebert