Noch wissen wir wenig über die Einzelheiten des zwischen den westlichen Alliierten des zweiten Weltkrieges und der Bundesrepublik abzuschließenden Generalvertrages. Beide Vertragspartner dürften bemüht sein, so viele schwebende Fragen als möglich in den Generalvertrag einzubeziehen, um bis zum Abschluß des Friedensvertrages feste Regelungen zu schaffen und den Parlamenten die Arbeit zu erleichtern. Diese Bestrebungen sind durchaus verständlich, in einigen Fällen aber nicht unbedenklich. Es besteht nämlich Grund zu der Annahme, daß auch das Gesetz Nr. 63 der Alliierten Hohen Kommission über die Enteignung der deutschen Auslandswerte im Generalvertrag erscheinen wird, um es durch die deutsche Unterschrift als geltendes Recht anerkennen zu lassen. Wenn diese Annahme richtig ist, so sollte der deutsche Verhandlungspartner dem mit allen Mitteln entgegentreten, denn die Entwicklung insbesondere der letzten 18 Monate hat gezeigt, wie sich in zahlreichen Staaten die Erkenntnis – allmählich – durchsetzt, daß die Fortnahme der deutschen Auslandsvermögen rückgängig gemacht werden muß. Uruguay, die Schweiz, Schweden, England, die USA und Argentinien sind Beispiele dafür, daß man (im Falle Uruguay) die Vermögen zurückgegeben hat oder zurückgeben will: einige hoffnungsvolle Ansätze dazu sind jedenfalls erkennbar. Es wäre also denkbar unglücklich, das Gesetz Nr. 63 in den Generalvertrag hereinzunehmen und damit anzuerkennen, da uns dann jede Möglichkeit genommen wird, weitere Vermögen freizubekommen. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß wichtige Vermögensteile noch zu retten sind, wenn wir konsequent und zäh unsere derzeitige Linie weiterverfolgen und zweiseitige Besprechungen führen. Es darf daher wohl erwartet werden, daß die Bundesregierung alles daran setzt, um das Gesetz Nr. 63 aus dem Generalvertrag herauszuhalten. C. v. S.