K., Mailand, im April

Zum dreißigsten Male seit 1920 öffnete die Internationale Mailänder Mustermesse (12. bis 29. April) am Ostersamstag ihre Tore. Aus der mutigen Initiative von damals, die Handelsbeziehungen zwischen den Ländern nach der Unterbrechung durch den ersten Weltkrieg wieder aufzunehmen, ist heute die größte europäische Messe geworden. In diesem Jahr, da sie sich mit 10 265 Ausstellern (Vorjahr: 9173) aus 45 Ländern abermals erweitert hat, kann die Frage, ob Mailand in der Lage ist, das Erbe Leipzigs anzutreten, bejaht werden. Auf der 390 000 qm großen Ausstellungsfläche (1951: 334 000 qm) stellt Westdeutschland von den 3430 ausländischen Vertretern (3045) mit 1100 Ausstellern (922) das stärkste ausländische Kontingent. Die Anstrengungen Westdeutschlands, im Handel mit Italien unter den europäischen Ländern wieder den ersten Platz einzunehmen, fanden dann auch in der Unterzeichnung des neuen deutsch-italienischen Handelsabkommens während der Mailänder Messe in Anwesenheit von Prof. Erhard und Frhr. v. Maltzan eine symbolische und praktische Bekräftigung.

Die Stärke des deutschen Angebots umfaßt die Maschinenindustrie, wozu aber noch die Optik- und Uhrenindustrie zu rechnen sind. Mit Porzellan ist die Bundesrepublik im Haus der Nationen sehr vorteilhaft vertreten. Hinzu kommen noch Erzeugnisse der feinmechanischen und der elektrotechnischen Industrie, der Schneidwarenindustrie, der keramischen Industrie, des Kunsthandwerks sowie Leder- und Spielwaren. Die Repräsentativschau Westdeutschlands wird durch einen Stand der Bundesbahn und des Fremdenverkehrs ergänzt.

Es ist noch nicht abzusehen, ob Mailand das „große Geschäft“ und die Erfüllung der auf den vorangegangenen Messen nur zum Teil befriedigten Hoffnungen bringen wird. Die Messe stellt jedenfalls einen zuverlässigen Wertmesser vor allem für die italienische Produktion dar, die bis heute auf 145 v. H. gegenüber 1938 gesteigert werden konnte, während sich der Export gegenüber 1938 um 50 v. H. vermehrte. Nicht zuletzt dürfte auch das Ansteigen der italienischen Lira auf dem freien Markt im Vertrauen in die wirtschaftliche und finanzielle Lage Italiens begründet sein. Denn schließlich erhöhten sich die Guthaben Italiens bei der EZU von 31 Mill. $ im Dezember 1950 auf 139 Mill. im Dezember 1951, wozu noch 98 Mill. bei der EZU stehende Gold- und Dollarbeträge kommen, während der Goldbestand bei der Banca d’Italia mit 256 Mill. $ unverändert blieb. Unter solchen günstigen Vorzeichen wird die Internationale Mustermesse in Mailand kaum enttäuschen.

Bisher war das Mailänder Geschäft verhältnismäßig ruhig. Besonders bei Fertigprodukten scheint die Nachfrage unter den Erwartungen zu liegen. Dies ist auch bei deutschen Kameras der Fall, wogegen die Absatzlage für deutsche Werkzeugmaschinen recht günstig beurteilt wird. Aber hier machen sich leider die langen Lieferfristen geschäftshemmend bemerkbar.