Rlt, Düsseldorf, Mitte April

Innerhalb der letzten zehn Monate hat die Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG, Essen, drei rückliegende Jahresbilanzen vorgelegt, so daß sie nunmehr, kurz nach der Entlassung aus der vierjährigen alliierten Kontrolle gemäß Gesetz 27, wieder den Anschluß an die normale Jahrespublizität erreicht hat. Der – Jahresbericht für 1950/51 (30. Juni) mit einer Dividende von 4 v. H. (2 v. H. für 1949/50) auf 246 Mill. D-Mark AK wird in Kürze durch den technischen Jahresbericht und einen gesonderten Sozialbericht ergänzt werden, was von Aktionären und Öffentlichkeit – falls diese Bericht: aufschlußreich sein werden – nur begrüßt werden kann. Mit 500 Mill. DM Jahresumsatz rangiert das RWE in der Spitzengruppe der deutschen Unternehmen; mit monatlich z. Z. mehr als einer Milliarde Kilowattstunden nutzbarer Stromabgabe, also mit 12 Mrd. Jahresleistung, ist es der größte Verbundbetrieb Europas.

Auch im letzten Jahr wurde die installierte Kraftwerksleistung, vorwiegend auf der Braunkohlenbasis, ausgebaut. Die Finanzierung der Großprojekte des Konzerns geschah im Berichtsjahr mit rd. 84 Mill. DM über Abschreibungen und rd. 120 Mill. DM über Fremdmittel. Der Jahreszugang bei den Anlagen stellt sich auf 201 Mill. DM. Die Gesamtanlagen werden mit 1,79 Mrd. DM aktiviert, denen Wertberichtigungen von 1,02 Mrd. DM gegenüberstehen. Die Beteiligungen sind mit 66 Mill. DM praktisch wenig verändert. Sie erbrachten bereits 1,2 Mill. DM Erträge, darunter 4 v. H. Dividende von der Main-Kraftwerke AG und von der Elektrizitäts AG vorm. W. Lahmeyer & Co. sowie 4,5 v. H. von der Niederrheinische Licht- und Kraftwerke AG für 1950. Die Verwaltung hofft, daß auf diesem Konto in späteren Jahren wieder größere Einnahmen verbucht werden können.

Bei dem hohen Baubedarf des Konzerns ist jede Einnahme wichtig, zumal die Ertragslage die volle Ausschöpfung der im Investitionsgesetz gewährten Möglichkeiten nicht zuläßt. Die Änderung der Strompreise durch Wiederinkraftsetzung der Kohlen-Gleitklausel wird zwar bessere Kassenergebnisse erbringen, aber sie werden das Ergebnis des noch 2 1/2 Monate laufenden Geschäftsjahres 1951/52 auch nicht mehr wesentlich beeinflussen. Wie zu hören war, sind Strompreisaufbesserungen noch nicht wirksam geworden, da erst in diesen Tagen die neuen Vertragsvorschläge des RWE an die Industriekundschaft und an die sonstigen Großabnehmer herausgegangen sind. Die Verwaltung hofft, mit allen Vertragspartnern auch künftig zu einem guten Einvernehmen zu kommen und zugleich ihre volkswirtschaftliche Aufgabe fortzuführen, die landwirtschaftlichen Gebiete auch weiterhin zu gleich günstigen Strompreisen (im Verhältnis zur Stadt) zwecks zunehmender Mechanisierung der Höfe beliefern zu können.