Die rückläufige Preisbewegung auf den Warenmärkten der Welt hält unentwegt an. Zwar sind in den letzten drei Wochen auch einige kleinere Preiskorrekturen nach oben erfolgt, jedoch läßt sich vorläufig noch nicht übersehen, ob sie von Dauer sein werden. Bei einigen erscheint das recht unwahrscheinlich. Von 26 der wichtigsten Waren des Weltmarktes haben 16 neue Rückschläge erlitten. Bei den NE-Metallen (5) sind die offiziellen Preisnotierungen unverändert geblieben, jedoch liegen für Zink und Blei Angebote zu geringeren Sätzen vor, und nur fünf Rohstoffe haben kleinere Preiserhöhungen aufzuweisen oder einen Teil der Rückschläge während der vorherigen beiden Wochen ausgeglichen.

Die Lage der Textilindustrie hat sich in der meisten Ländern inzwischen weiter verschlechtert. Die Wirtschaftsabteilung der Vereinten Nationen in Genf spricht in einem Situationsbericht über die europäische Textilindustrie bereits offen von einer Krise. Besonders schwer angeschlagen ist anscheinend die britische Textilindustrie, die sich von ihren übergroßen Warenvorräten wegen der bestehenden Krediteinschränkungen unter allen Umständen freimachen muß und deshalb auf dem westafrikanischen Markt heute bereits zu den niedrigeren japanischen Preise anbietet, was zweifellos zu einem weiteren Nachgeben der japanischen Preise führen wird. Denn auch die japanische Industrie sitzt auf großen Lagervorräten fest. Von den 90 Baumwollspinnereien und -webereien in Rochdale, einem der größten Standorte der britischen Baumwollindustrie, hatten in der zweiten Aprilwoche bereits 35 Fabriken Kurzarbeit eingeführt. Und in dem benachbarten Littleborough sollen 12 von den vorhandenen 16 Textilfabriken eine Halbierung der Arbeit angekündigt haben. In der englischen Wollindustrie ist die Beschäfti-– gung im Durchschnitt um über 30 v. H. gegenüber 1951 zurückgegangen. Dabei ist schon 1951 ein scharfer Rückgang des Rohstoffverbrauchs der Wollspinnereien eingetreten, der von der International Wool Study Group auf 23 v. H. beziffert wird. Auch alle übrigen Industrieländer – mit alleiniger Ausnahme von Japan – haben nach der gleichen Quelle mehr oder weniger große Rückschläge im Verbrauch von Rohwolle aufzuweisen, die zwischen 24 v. H. in den USA und 12 v. H. in Westdeutschland schwanken, während Japan im vorigen Jahre noch eine Zunahme von 51 auf 74 Mill. lbs = 45 v. H. zu verzeichnen hatte. Der Wolleverbrauch aller Länder der Welt wird von der Studiengruppe für 1951 auf 2150 Mill. lbs – 975 Mill. kg gewaschene Wolle geschätzt gegen 2652 Mill. lbs oder 1,2 Mrd. kg im Jahre 1950, was einem Verbrauchsrückgang von 19 v. H. entspricht. Aus Australien wird dazu noch berichtet, daß in den ersten sieben Monaten des Wolljahres 1951/52 (Juli/Juni) 21,2 v. H. weniger Wolle verkauft wurde als im Jahre vorher und daß der Gesamterlös für das laufende Jahr auf weniger als 300 Mill. £ geschätzt wird, gegenüber einem Rekorderlös im vorhergehenden Jahre von 636 Mill. £. Bezahlt wurden auf den letzten Auktionen 127 d per lb für 64er Wolle gegen 377 d vor etwas mehr als einem Jahr, zur Zeit der höchsten Konjunktur. Die obigen Angaben über den weiter abnehmenden Weltverbrauch deuten jedenfalls nicht darauf hin, daß die leichte Steigerung des Preises für Schweißwolle an der New Yorker Börse in der Zeit vom 26. März bis 16. April (auf 135,50 cts gegen 133,50 cts je lb) von Bestand sein wird. – Der Preis für Baumwo11e ist in der gleichen Zeit trotz der Bewilligung von je 5 Mill. $ an Deutschland und Frankreich für Baumwollkäufe in den USA erneut etwas zurückgegangen (von 42,35 auf 42,28 cts je lb). An der Börse in Alexandria ist der Preis für Karnak inzwischen auf 116,30 Tallaris je Kantar, also unter den Stützungspreis der Regierung von 125 Tallaris, gesunken.

Die Regierung soll im übrigen in aussichtsreichen Unterhandlungen über größere Tauschgeschäfte von Baumwolle gegen Lebensmittel und andere Waren stehen. – Der New Yorker Jutemarkt wurde durch amerikanische Heereskäufe (für die Herstellung von Sandsäcken) zunächst kräftig gestützt, ist aber später wieder abgeflaut, weil der Handel der Meinung ist, daß wegen der großen Vorräte in Kalkutta, ein weiterer Preisrückgang erwartet werden könne. Der Preis für Dundee Daisee an der Börse in Kalkutta ist infolge der amerikanischen Käufe von 220 auf 240 Rupees je Ballen gestiegen, danach aber auf 230 Rupees zurückgegangen. Der Markt liegt gegenwärtig schwach.

Auch auf dem Markt für Öle und Fette trat Anfang des Monats auf Verkäufe des Berufshandels hin eine neu: starke Abschwächung ein. Diese Verkäufe wurden verursacht durch die Erklärung Stalins, daß er einen Krieg für unwahrscheinlich halte. Besonders stark zurückgegangen ist der Preis für Leinsaat in Winnipeg? bezahlt werden hierfür am 16. April nur noch 367 cts je bushel gegen 405 cts Anfang des Monats und 499,75 cts Anfang Januar. Baumwollsaatöl büßte nahezu 2 cts je lb ein, während für Schmalz jetzt 10,80 cts und für Talg 5 cts. je lb bezahlt werden gegen 11,42 und 5,50 cts Anfang April. Im Zusammenhang mit den neulich gemeldeten Preisrückgängen für die verschiedensten Rohstoffe auf dem indischen Markt hat auch Rhizinussaat sehr starke Rückschläge erlitten, die nur dadurch begrenzt wurden, daß die Regierung sofort einen Mindestpreis von 131 Rupees per Candy 660 Ibs) festsetzte, der auch bereits am 2. April erreicht wunde. Inoffiziell wurde die Ware am gleichen Tage aber schon zu 129 Rupees 12 a gehandelt. Das als Margarine-Rohstoff wertvolle Walöl ist seit dem vorigen Jahre, wo es einen Rekordpreis von 172 £ je t erzielte, auf jetzt 80–85 £ nominell zurückgegangen. Die norwegischen Walfänger, denen in vorigen Jahre die Ware aus den Händen gerissen wurde, haben von den in der diesjährigen Fangsaison erzielten 150 000 t Walöl 95 000 t noch nicht verkauft. Von deutscher Seite wurde Anfang dieses Jahres ein kleinerer Posten Walöl zu dem damals als sehr günstig beurteilten Preis von 100 £. je t erworben, der auch noch unverkauft sein soll.

Auf dem Zuckermarkt sind die Preise wegen des großen Exportüberschusses auf Cuba und Puerto Rico ebenfalls weiter rückläufig. An der New Yorker Zuckerbörse notierte der Weltkontrakt 4 im I. Termin zuletzt nur noch 4,23 cts je lb gegen 4,32 cts Anfang April, 4,71 cts zu Beginn des Jahres und einen Höchstpreis von 7,85 cts im vorigen Jahre. In USA rechnet man mit weiteren Rückgängen bis auf 4 cts je lb.

Einen neuen Rückgang um nahezu 25 v. H. hat die Häutenotierung an der New Yorker Börse erfahren. Bezahlt wurden zuletzt für Schwere Stierhäute nur noch 10 cts je Ib gegen 13 cts Anfang April und 19,50 cts zu Beginn des Jahres. Der Höchstpreis des vorigen Jahres belief sich demgegenüber auf 43,50 cts je lb. Der deutsche Markt ist von diesem Preisverfall ebenfalls stark betroffen worden. Neuerdings sollen von Westdeutschland in Montevideo etwa 30 000 Frigorificos gekauft worden sein, und zwar zum Preise von 15 1/4 d je lb für 20 000 Schuß schwere Ochsen und 16 3/4 d je lb für 10 000 gesunde Kühe.

„Auf den Metallmärkten sind die offiziellen Preise unverändert geblieben. Auf den freien Märkten ging dagegen Blei auf 135 bis 140 £ und Zink auf 160 £ je t zurück,während Kupfer zu 38 bis 40 cts gehandelt wurde. o 1