Gewissenhafte Statistiker der Deutschen Messe- und Ausstellungs-A.G. Hannover haben den Weg, den die Besucher der diesjährigen Technischen Messe zurücklegen müssen, um sämtliche Stände zu besuchen, mit 24,5 km ausgerechnet. Nun, wir glauben nicht, daß alle der bis zum 6. Mai zu erwartenden rund 800 000 Besucher diesen „Gewaltmarsch“ antreten werden, um sich von der bewundernswerten Dynamik der westdeutschen und Westberliner Produktionsgüter-Industrien zu überzeugen. Dazu reichen für den technisch nicht besonders „vorbelasteten“ Besucher schließlich einige Ausschnitte aus den Hallen (es sind jetzt 22 mit 151 650 qm gegenüber 144 000 qm im Vorjahr) und ein Gang über das 45 000 qm große Freigelände. Dies allein genügt bereits, um die Hochachtung vor den gezeigten Leistungen der deutschen Industrie in Superlativen auszudrücken. Denn man muß bedenken: es ist erst das sechste Mal, daß auf dem idealen Messegelände von Laatzen eine Messe dieser Art durchgeführt wird. In ihrer heutigen Vollkommenheit aber bedeutet die Technische Messe Hannover ohne Zweifel das repräsentativste wirtschaftliche Ereignis Westdeutschlands.

An der Spitze der Branchen-Aufteilung steht auch diesmal wieder der Maschinenbau, obwohl die Gruppe der Werkzeugmaschinen geschlossen erst auf der 2. Europäischen Werkzeugmaschinenausstellung vom 14. bis 23. September in Hannover vertreten sein wird. Den 793 Ausstellern des Maschinenbaues folgen 774 Aussteller der Elektroindustrie, 321 des Bürobedarfs, 295 mit Eisen-, Stahl-, Blech- und Metallwaren, 55 aus dem Bereich von Feinmechanik und Optik, 54 aus der Gruppe der Chemie, 39 aus der Gummiverarbeitung und u. a. 32 von Stahl und Eisen. Mit 152 ausländischen Ausstellern (an der Spitze Frankreich, die Schweiz und Österreich) geben sich zur Technischen Messe 2636 Ausstellungsfirmen ein repräsentatives Stelldichein.

Bei der feierlichen Eröffnung hatte – nach den Ansprachen von Vizekanzler Franz Blücher und Ministerpräsident Hinrich Kopf – der Präsident des Vereins Deutscher Maschinenbau-Anstalten, Generaldirektor Dr.-Ing. e. h. Gustav Möllenberg, davon gesprochen, daß die technische Entwicklungsarbeit in den deutschen Produktionsmittelindustrien nach wie vor in vollem Fluß ist, und wir uns keine Sorge zu machen brauchen, daß das Leistungsstreben und der Wettbewerb innerhalb der Industrie erlahmen könnten. Im Alltag der Industrie und in der heutigen Situation der Absatzmärkte gäbe es, so sagte er, keine Bequemlichkeiten, die uns zum Ausruhen veranlassen könnten. Wir wünschen sie auch nicht, weil wir davon überzeugt sind, daß Furcht vor Wettbewerb und Abkapselung gegen Konkurrenz genau das Gegenteil von dem wären, was uns erfüllen muß, um den vor uns liegenden Aufgaben gewachsen zu sein: Die Bejahung des Wettbewerbs ist Voraussetzung für eine weitere Erhöhung der Produktivität.

Mit besonderer Aufmerksamkeit verdient festgestellt zu werden, daß die deutsche chemische Industrie auf dieser Technischen Messe erstmalig nach dem Kriege Gelegenheit nimmt, mit einer eigenen Halle, der „Halle der Chemie“, vor die Öffentlichkeit zu treten. Sinn dieses Schrittes ist es, mit den ausländischen Partnern enger ins Gespräch zu kommen, die noch bestehenden Schranken zu beseitigen und die Märkte zu einer größeren Einheit zusammenzufassen, wie W. A. Menne, der Präsident des Verbandes der Deutschen Chemischen Industrie vor der Presse betonte,

Es wäre verfrüht, schon wenige Tage nach der Eröffnung der Messe ein Urteil über die in- und ausländische Absatzentwicklung abzugeben. Doch bereits jetzt steht fest: der Ausländerbesuch ist ungewöhnlich rege, und nichts kann darüber hinwegtäuschen, daß wir mitten in einer Zeit des angespanntesten Wettbewerbs stehen.

Abschließend ein Wort der Kritik: wäre es nicht an der Zeit, endlich einmal die verwirrende Numerierung der Hallen neu zu ordnen? Selbst für den Routine-Besucher des Messegeländes ist das wenig sinnvolle (weil längst überholte) Hin und Her der Reihenfolge verwirrend. Warum sollte es wohl nicht möglich sein, künftig die erste Halle, die der Besucher am Eingang erreicht, eben Nr. 1 und, nicht, wie bisher, Nr. 7 zu nennen ... ww.