Nationen vergleichen ihren Humor – IV. Sie lachen in Rußland anders – Ein Amerikaner über den Witz seines Landes

Im Reiche des Lachens und des Humors in den Vereinigten Staaten hat der Dichter und Schriftsteller Louis Untermeyer, der alljährlich eine Anthologie der komischen Literatur herausgibt, ein gewichtiges Wort zu sagen. Er spricht heute über den Humor der Amerikaner und redet frei von der Leber weg über die heikle Haltung, die die Amerikaner zum Problem des „zweideutigen“ Witzes einnehmen. – Zuvor schließt der in der vorigen Ausgabe der „Zeit“ begonnene Bericht des französischen Autors André Pierre über den parteigelenkten sowjetrussischen Witz und darüber, daß die Russen manchmal „trotzdem lachen“. Das offiziöse Witzblatt der Sowjets ist das in Moskau erscheinende „Krokodil“. Hier liest man, worüber die Sowjets lachen sollen.

Das Krokodil fließt über von Witzen über die bürokratische Kaste, über ihre Eseleien und Mißbrauche. Hier einige davon. Der erste Witz trägt die Überschrift „Ein hervorragendes Zertifikat“ –: Der Kamerad Sukow, Direktor des Ernährungsdienstes im Bezirk der „Roten Garde“ in Moskau, hat dem Genossen Solowiow das folgende Zertifikat ausgestellt: „Solowiow, früherer Direktor des Warenhauses Nr. 14, ist ein fähiger Arbeiter, fleißig, besitzt Initiative und Erfahrung. Stellt große Ansprüche an andere und an sich selbst. Seiner Funktionen enthoben wegen Diebstahls und Mißwirtschaft...“

Dann kommt ein anderes Zertifikat, ausgestellt von einem Arzt des Krankenhauses Werchnekrinsk: „Der Bürgerin Gribeniuk Xenia Fominichin wird bescheinigt, daß sie am 28. September 1946 gestorben ist. Todesursache: Herzschwäche. Es wird gebeten, ihr die Rückkehr in ihre Wohnung zu gestatten ...“

Es war auch das Krokodil, das berichtete – und diese Geschichte ist authentisch – daß der Bürger V. P. eines Tages die folgende Aufforderung erhielt: „Das Standesamt in Kostroma bittet“ Sie, einmal hier vorzusprechen, um Ihren Totenschein zurückzugeben. Sie haben Ihre Identitätskarte vorzulegen und eine Gebühr von fünf Rubeln zu entrichten ...“

Abgesehen von den Witzen über die Funktionäre (wenn man das in einem Lande sagen darf, wo mehr oder weniger jeder in irgendeiner Weise Funktionär ist) befaßt sich der anekdotische Humor oft mit den Intellektuellen, besonders mit den Schriftstellern. Zum Beispiel:

„Ich werde meinen neuen Roman über die Kolchosen in einer Zeitschrift erscheinen lassen“, kündigt ein Schriftsteller an.