DIE ZEIT

Deutsche Lasten und alliierte Vorrechte

In weniger als einem Monat soll das internationale Vertragswerk vollendet sein, durch das Deutschlands Schicksal in äußerer und innerer Beziehung auf unbestimmte Zeit festgelegt werden soll, wodurch dann die gesamte Nachkriegsentwicklung in eine neue Phase treten wird.

Die Industrie als Kunstmäzen

Kunst kann ohne Mäzenatentum nicht gedeihen. Der Künstler muß innerhalb der menschlichen Gesellschaft Platz und Rang haben. Dazu aber muß es Menschen geben, die ihn brauchen, für sich selbst oder für Institutionen, denen sie vorstehen oder denen sie angehören.

Verhöhnte Menschlichkeit

Tausende von Jugendlichen, von denen viele noch keine achtzehn Jahre alt sind, schmach--ten wegen „politischer Verbrechen“ in den Kerkern der Sowjetzone.

ZEITSPIEGEL

Die politische Vereinsamung, die man in Belgrad infolge des Konflikts mit Italien über Triest und infolge der kühlen Haltung der USA empfindet, scheint die Tito-Regierung zu einer versöhnlicheren Politik gegenüber Griechenland zu bewegen.

Der Halacz-Prozeß

Der Sprengstoffmörder Erich von Halacz ist zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden; er wird seine Untat zu bißen haben.

Saragat, der italienische Hamlet

Im politischen Leben Italiens vermißt man zwei Parteien, die bis 1922 – also vor der Ergreifung der Macht durch Mussolini und den Faschismus – immer im Vordergrund standen: die sozialistische und die liberale.

Deutsch-polnischer Monat

Zwischen der „Deutschen Demokratischen Republik“ und Polen ist seit den beiden Noten der Sowjetunion über die Wiedervereinigung Deutschlands eine Spannung entstanden.

Ein Frankfurter Anwalt

Der Ausschuß des amerikanischen Repräsentantenhauses, der den Massenmord von Katyn untersucht, hat den ehemaligen stellvertretenden amerikanischen Ankläger bei den Nürnberger Prozessen, Robert Kempner, vernommen.

Der Staat „schießt zu“

Werden wir in diesem Jahr wieder so viele Wohnungen bauen können wie 1951 oder 1950? Nun: Baustahl ist zwar noch knapp, aber sonst besteht kein „Engpaß“ mehr für Baumaterial, und die Ziegeleien klagen auch nicht mehr über Kohlenmangel.

Stuttgart macht sich stark

Die Erfahrung, daß es in der Politik auf Grundsätze und Spielregeln allein nicht ankommt, hat die Wahl des ersten Ministerpräsidenten für den neugebildeten Südweststaat abermals erwiesen.

Wenn Chikago Atlantikhafen wird . . .

Präsident Truman hat vor kurzem in zwei dem Kongreß zugeleiteten Botschaften darauf hingewiesen, daß es dringend notwendig sei, die seit dem ersten Weltkrieg schwebenden und im Jahre 1941 in einem Abkommen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten paraphierten Projekte über den gemeinsamen Ausbau des Sankt-Lorenz-Seeschiffahrtsweges von Montreal.

Medikamente sind nicht alles

Das wichtigste Ereignis des 58. Deutschen Internistenkongresses, der vom 21. bis 24. April in Wiesbaden stattfand, war wohl die Bekanntgabe der ersten Erfahrungen mit dem neuen Tuberkulosemittel Isonikotinsäurehydrazon.

Notizen

Vom 19. bis 21. Mai findet bei Karl & Faber in München eine Auktion statt von Handschriften, Büchern, Autographen, Graphik, Zeichnungen und Aquarellen, Der Katalog verzeichnet unter vielem anderen: In guten Exemplaren die Folgen der Apokalypse und des Marienlebens von Dürer, bedeutende Autographen (Mozart, Goethe, C.

Neuer Joseph Haas

Enge künstlerische Bande verknüpfen seit langem Joseph Haas und die Stadt Kassel. Eine Kasseler Chorvereinigung erteilte vor mehr als zwanzig Jahren dem Künstler den Auftrag zur Komposition des Oratoriums „Die heilige Elisabeth“, am Kasseler Staatstheater fand unter Robert Hegers Leitung die Uraufführung seiner ersten Oper „Tobias Wunderlich“ statt (1937), und von Kassel ging auch die Anregung aus zur Gründung einer „Joseph-Haas-Gesellschaft“ (1949).

Demonstration unter Blüten

Von Giraudoux wird berichtet, er habe es besonders geliebt, nachts in einem Hotel in Blankenese zu schlafen und dann von den Sirenen der Dampfer geweckt zu werden, die drüben, an der anderen Seite der Elbe, am „Alten Land“ vorbeifuhren.

Ein Aufstand in Europa

Wie der deutsche Expressionismus entstand, der in seinen Nachwirkungen die heutige deutsche Malerei immer – noch stark beeinflußt, läßt sich sehr schön an dem Beispiel des Malers Schmidt-Rottluff verfolgen.

Der Schriftsteller muß der Wahrheit dienen

Als schärfster und gewichtigster Gegner Malapartes ist Friedrich Sieburg hervorgetreten („Gegenwart“ vom 15. Oktober 1951). Seine Ausführungen über „Kaputt“, das gerade in deutscher Übersetzung erschienen war und die Nazi- und – Kriegszeit behandelt, berühren Grundfragen der schriftstellerischen Wirksamkeit in heutiger Zeit.

Graf Wronskys letzte Tage

In einer winzigen Kneipe wurde ich des alten Mannes, den ich mehrmals in der Hafengegend gesehen hatte, endlich habhaft. Daß er Russe war, war mir von vornherein klar.

Kuriositäten

Felix erbte ein Gut, auf dem nur der Knöterich gedieh. Zwölf rühmlichst bekannte Agronomen besahen die Pracht und gaben vortreffliche Ratschläge.

Die Geburt aus dem Tode

Curzio Malaparte ist heute der am meisten umstrittene Schriftsteller Europas. Er hat nach Ansicht seiner Kritiker in „Kaputt“ ein böses und durch anekdotensüchtige Übertreibung unwahres Buch gegen die Deutschen, in der „Haut“ ein Buch gegen seine italienischen Landsleute, gegen die Amerikaner, ja, auch gegen die Europäer allgemein geschrieben.

Baumpolitik

Als die OEEC in Paris vor einiger Zeit beschloß, in den Empfangsländern der Marshall-Plan-Hilfe einen „Tag des Baumes“ einzuführen, hatte sie sicherlich kein schlechtes Gewissen.

Stahlwerke Kairo

Nach fast zwei Jahre dauernden Vorverhandlungen hat die ägyptische Regierung sich nunmehr dahin entschieden, die Planung für die Errichtung eines großen Stahlwerkes (Kapazität, zunächst 115 000 t Walzprodukte, erweiterungsfähig auf 160 000 t Rohstahl) nebst zugehörigen Anlagen und Transporteinrichtungen einer deutschen Gruppe zu übertragen, die auch den Bau der Gesamtanlage durchführen soll.

In Hannover notiert

Von der Ruhrstahl AG. Henrichshütte, Hattingen-Ruhr, wird eine Doxford-Kurbelwelle neuartiger Konstruktion (für Dieselmaschine) gezeigt.

Industriepolitische Ausschau 1951/52

Der Bundesverband der Deutschen Industrie hält seine diesjährige Mitgliederversammlung in Hamburg ab. Das ist, was den Ort anbelangt, nicht ohne besondere Bedeutung.

Zwischen Erfolgen und neuen Sorgen

Das Jahr 1951 brachte dem Außenhandel der Bundesrepublik ein Ergebnis, das auch bei optimistischer Beurteilung der Entwicklung zu diesem Zeitpunkt noch nicht erwartet werden konnte.

Außenhandel immer noch im Engpaß

Die Wirtschafts- und Finanzminister aller Länder haben sich daran gewöhnt, im Außenhandel einen Zauberstab zu erblicken, der Defizite in Wohlstand verwandelt und soziale Sicherheit mit Vollbeschäftigung herbeiführt.

„Bejahung des Wettbewerbs“

Gewissenhafte Statistiker der Deutschen Messe- und Ausstellungs-A.G. Hannover haben den Weg, den die Besucher der diesjährigen Technischen Messe zurücklegen müssen, um sämtliche Stände zu besuchen, mit 24,5 km ausgerechnet.

Wann beginnt die Tilgung?

Der Währungsschnitt hatte auch bei der Lebensversicherung schwere Verluste offengelegt: die Deckungsmittel wurden im Verhältnis 10:1 zusammengelegt; nur 60 v.

Türkei: neue Ära im Wirtschaftsaufbau

Die Auffassungen über Grundlagen, Ziele und Methoden der Industrialisierung wirtschaftlich rückständiger Länder haben sich in den letzten drei Jahren entscheidend gewandelt.

Wandelanleihe war unerwünscht

In dem Geschäftsbericht, den die Hamburgische Electricitäts-Werke Akt.-Ges. ihrer Hauptversammlung am 29. April vorgelegt hat, führt die Verwaltung bewegte Klage über die Schwierigkeit, den anwachsenden Strombedarf zu befriedigen.

Warum Aufspaltung im Kohlenverkauf?

Von Unternehmerseite des Steinkohlenbergbaues wird uns ein Beitrag zur Verfügung gestellt, der sich mit dem wieder entbrannten Streit um den einheitlichen deutschen Kohlenverkauf befaßt.

Flughafen ohne Bonner Anschluß

Wenn auf dem am vergangenen Wochenende in Betrieb genommenen Verkehrsflughafen Hannover-Langenhagen außer dem ersten Flugzeug, dem Berlins Oberbürgermeister Reuter entstieg, ein anderes den erwarteten Bundesverkehrsminister gebracht hätte, wäre dies Kapitel gewiß mit dem versöhnenden „Ende gut – alles gut“ überschrieben worden.

Photokina – exportpolitisch wichtig

Die Kölner „Photokina“, Internationale Photo- und Kinoausstellung 1952, ist als kombinierte Messe und Ausstellung längst zu einem anerkannten wirtschaftlichen und technischen Begriff in der Photo Wirtschaft des In- und Auslandes worden.

Pelzmesse: „günstig“

Festlich, mit einer repräsentativen Modell- und Exportschau eleganter, kostbarer Pelze (Fachverband Pelzkonfektion) eingeläutet, endete die IV.

Wertpapiermarkt hat sich verengt

An den Wertpapierbörsen drückte die nun schon seit Wochen. anhaltende lustlose Tendenz weiter auf das Geschäft, das seinem Umfange nach nur noch einen Teil dessen darstellt, was es in den „goldenen“ Zeiten der lang anhaltenden Hausse war.

Flauer Wollmarkt

Die April-Wollbörse in Paderborn brachte ein leichtes Absinken der ohnehin niedrigen Preise. Von den 4000 Zentnern des Angebots – zum großen Teil handelt es sich um Überstände von früheren Versteigerungen wurden annähernd 70 v.

Förderstart bei EBV

In diesen Tagen lief auf der Neuanlage des Eschweiler Bergwerksvereins „Emil Mayrisch“ in Siersdorf, Kreis Jülich, die Kohlenförderung an.

Die Sowjet-Hose

Ein Moskauer Arbeiter, der an einem Wintermorgen verschlafen hat, fürchtet, von der Direktion seiner Fabrik mit einer Lohnkürzung bestraft zu werden.

Der unerwünschte Hut

Eine Amerikanerin geht bei einer Putzmacherin vorbei und sieht im Schaufenster einen Hut. Sie tritt ein: „Würden Sie den grünen Hut mit den Federn und Kirschen für mich aus dem Schaufenster nehmen“, fragt sie.

SPROT DER ZEIT: Es gibt noch Idealisten

Wenn man heutzutage in den Zeitungen von einem Sportskandal nach dem anderen liest, wenn man hört, daß Fußballvereine sogar schon nach dem Staatsanwalt riefen, damit er grobe Ausschreitungen auf dem Kampffelde der gerechten Strafe zuführen möge.

Die Revolution am Mittagstisch

Das Leben modernisiert sich in einem rasenden Tempo, von der Unterwäsche bis zur Weltanschauung, nur im Essen sind wir konservativ.

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