Berichtet von E. A. Greeven

Felix erbte ein Gut, auf dem nur der Knöterich gedieh. Zwölf rühmlichst bekannte Agronomen besahen die Pracht und gaben vortreffliche Ratschläge. Als Felix alle Ratschläge befolgt hatte, besaß er keinen Pfennig mehr und verschwand in einer Nervenanstalt. Der Knöterich gedieh lustig weiter. Das Gut übernahm Vetter Clemens, die anerkannte Schande der Familie. „Mein Gut braucht eine Weltanschauung“, sagte Clemens, „sonst gar nichts“. Für die Weltanschauung engagierte er einen buddhistischen Mönch a. D. mit Yogapraxis. Dazu einen Psychotherapeuten aus Prenzlau, ein kindliches Gemüt mit dämonischem Blick, und den Werbeleiter eines bekannten Konzerns. Wenige Wochen später eröffnete Clemens das „Entschlackungs-Sanatorium Knöterheil“ mit maximalen Preisen und minimaler Knöterichernährung. Es wurde ein phänomenaler Erfolg von internationalem Ausmaß. Augenblicklich erholt sich Clemens von den Strapazen des Knöterichs an der Côte d’Azur und schreibt Ansichtskarten an Felix. Clemens ist der Stolz seiner Familie geworden.

*

Peter studiert. Medizin und hat sich verlobt. Das ist ihm seit dem Physikum schon des öfteren widerfahren. Diesmal scheint der Fall ernst zu sein, denn ich traf ihn im Vorzimmer eines Notars. In Anbetracht seiner amourösen Vergangenheit gratulierte ich leicht distanziert. „Danke“, sagte Peter, „das Leben ist eine komplizierte Angelegenheit.“ Ich bestätigte seine Erkenntnis. Der Braut, einer Kriegerwitwe, ging der Ruf voraus, eine Schönheit zu sein. „Wann werdet ihr heiraten“, fragte ich indiskret. „Vermutlich niemals“, erwiderte Peter, „sie bekommt als Kriegerwitwe eine Rente, solange sie nicht wieder heiratet. Wenn wir heiraten, ist die Rente weg. Das können wir uns nicht leisten.“ Das leuchtete mir ein: „Was werdet ihr tun?“ – „Wir werden auf Staatskosten Unmoral pflegen“, sagte Peter und lächelte unschuldsvoll.