Von unserem Bonner Korrespondenten

Tausende von Jugendlichen, von denen viele noch keine achtzehn Jahre alt sind, schmach--ten wegen „politischer Verbrechen“ in den Kerkern der Sowjetzone. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres 1951 wurden über 2000 solcher jungen Menschen verurteilt. Ja, in den Strafanstalten und Lagern der Sowjetzone sitzen sogar noch Jugendliche, die im Jahre 1945 als „Werwolfe“ zu zehn Jahren Freiheitsentzug verurteilt wurden. Ein Teil von ihnen war damals vierzehn oder fünfzehn Jahre alt. Viele sind inzwischen in der Haft gestorben. Doch nach wie vor ahnden sowjetische Militärtribunale in der Ostzone auch geringfügige Vergehen mit barbarischen Strafen. So wurden beispielsweise zehn Jugendliche, die anläßlich einer Geburtstagsfeier für Pieck in einem Saal eine Stinkbombe geworfen hatten, zu je 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Die Haft, unter schrecklichen Bedingungen vollzogen, dezimiert die Reihen dieser jungen Opfer des Terrors. Miserable hygienische Verhältnisse, unzureichende Kost, keine oder nur mangelhafte ärztliche Betreuung – den Rest besorgt die Tbc.

Es war ein erschütternder Bericht, der dem Bundestag über diese Schande unseres Jahrhunderts vorgetragen wurde. Er stützte sich auf Angaben von Behörden, Organisationen, geflüchteten Jugendlichen, auf Mitteilungen von Angehörigen der Verurteilten. Der Bundestag forderte eine Amnestie für diese Jugendlichen und appellierte an die Menschen guten Willens in aller Welt, sich dieser Forderung anzuschließen. Mit bewegten Worten wandte sich die Berliner Abgeordnete Jeanette Wolff an die Kommunisten im Hause. Sie sei Jüdin, sagte sie, und habe die meisten ihrer Angehörigen in den KZ’s der Nazis verloren. Sie habe selbst lange hinter Stacheldraht gesessen und wisse deshalb, was das heiße. Sie beschwor die Kommunisten im Hause, doch, eingedenk ihrer eigenen Leiden in den KZ’s der Nazis, für die Befreiung jener jugendlichen Opfer einzutreten.

Natürlich stieß ihre beredte Mahnung nur auf schnöden Hohn. Ja, die vier kommunistischen Abgeordneten, die im Saale waren, brachten es wirklich fertig, sich, einen Sturm der Entrüstung im Hause entfesselnd, von ihren Plätzen zu erheben, um damit gegen die Befreiung jener Jugendlichen zu stimmen... Robert Strobel