Sie fragen mich nach den Aussichten für das deutsche Auslandsgeschäft. Das Sprichwort des Hamburger Kaufmanns: „Ebbe und Flut ist Kaufmannsgut“ paßt zur Beantwortung der Frage. Die Flut war recht groß. Die Preise sind „seit Korea“ übertrieben stark gestiegen, und der deutsche Export ist schneller gewachsen, als selbst ich es für möglich gehalten habe. Auch die Ebbe ist sehr groß geworden: nach meiner Ansicht gleichfalls von übertriebenem Umfang!

Wenn die Preise für Wolle um rund 75 v. H., gegenüber dem Höchststand, gefallen sind, so war das zuviel und wenn augenblicklich eine große Unlust im Markte herrscht, überhaupt zu kaufen, weil man glaubt, daß die Preise noch weiter heruntergehen, so glaube ich, daß der Moment gekommen ist, wo nach dieser übertriebenen Ebbe einmal wieder die Flut ansetzen wird...

Ich hoffe aber, daß es keine übertriebene Flut wird: denn wir haben nur das Interesse daran, daß die Preise sich einigermaßen stabil erhalten. Die Entscheidung darüber hängt – und das ist sicherlich sehr bedauerlich – von der hohen Politik ab. Wenn die Welt sich beruhigt – und dazu gehört auch, daß nicht in einzelnen Gebieten lokale Unruhen entstehen –, dann werden alle wieder daran glauben, daß der Handel zwischen den Völkern wächst; und die Preise werden steigen. Das wird nicht nur für den Import entscheidend sein, sondern auch für den Export.

Denn die Länder, die so unter den zurückgegangenen Preisen leiden, können nicht so viel kaufen, wie sie es wohl sonst tun würden. Wenn derzeitig noch dazu kommt, daß England und Frankreich wegen der Schwierigkeiten ihrer Devisenlage auch in ihren überseeischen Besitzungen den Import drosseln – ich betone: generell drosseln, also nicht etwa nur für Deutschland – und die südamerikanischen Länder wegen ihrer überhöhten Preise nicht konkurrenzfähig sind, so macht dieses selbst für Länder, die gern von Deutschland kaufen und auch bisher noch erheblich auf dem deutschen Markt gekauft haben, wie z. B. Brasilien, sehr viel aus. Wenn Deutschland nicht kauft, kann es auch nicht in jene Länder liefern! Und das schadet unserm Export.

Die Welt ist nun einmal auf den Zusammenhang Export/Import angewiesen. Früher war es nicht entscheidend, ob wir von einem Lande mehr kauften als dorthin verkauften; das hat sich bei dem System zweiseitiger Handelsverträge weitgehend geändert, und wir müssen jetzt sehen, in die einzelnen Länder so viel zu exportieren, wie wir von da Ware bekommen.

Ich wiederhole das Sprichwort, womit ich begonnen habe: „Ebbe und Flut ist Kaufmannsgut.“ Es läßt sich nicht sagen, wie die Preise sich entwickeln werden, und das ist schließlich kein Unglück, denn dadurch kann der Kaufmann, insbesondere der Ex- und Importeur, gerade beweisen, daß er sein Geschäft versteht. Und deshalb begrüße ich, daß der Übersee-Club dieses Treffen veranstaltet hat, denn es soll das Interesse an dieser Funktion des Handels vermehren. Zusammen mit der Schiffahrt und der Industrie ist der Handel die Grundlage Hamburgs seit der Zeit der Verleihung des Freibriefes im Jahre 1189 durch Friedrich Barbarossa gewesen, ist es noch und wird es immer sein.

Wir sind der Meinung, daß der Übersee-Club durch diese Veranstaltung dazu beitragen wird, das Ansehen Hamburgs zu heben, und es – wenn Deutschland einmal vereinigt sein wird – wieder auf den Umfang und die Bedeutung zu bringen, die Hamburg vor dem Kriege eingenommen hat. Das ist der Wunsch, den ich an diesem Tage empfinde.