Friedrich Oetinger: Wendepunkt der politischen Erziehung. Partnerschaft als pädagogische Aufgabe. (Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart, 273 S., Leinen.)

Hier wird einerseits gezeigt, welche Irrwege unsere politische Erziehung, sei es die „staatsbürgerliche“ der Wilhelminischen und der Weimarer Epoche, sei es die „volkspolitische“ des Hitlersystems, im Zwang idealistischer, wirklichkeitsferner Zielsetzungen gegangen ist und anderseits mit allen Gründen der Soziologie, des Rechts, der Psychologie und Pädagogik dargelegt, daß nur vom Verhalten zum Mitmenschen her, durch „Partnerschaft“, unser politisches (Leben gesunden kann. Politische Erziehung ist für Oetinger darum nicht Erziehung zu einer bestimmten Staatsform, sondern zu einer bestimmten Haltung hin. Kann Partnerschaft wirklich schaffen, was Christentum und Vaterlandsliebe nicht schafften? Oetinger ist sehr skeptisch gegenüber den Antrieben des Gefühls, der Bildung, der Tradition, des Glaubens. Er meint: mit angelsächsischer Nüchternheit geht es besser. Aber darf ein Erzieher auf die „Totalität der menschlichen Natur“ verzichten? Muß er nicht alle Kräfte des Herzens aufrufen? Ist nicht anderes noch dringlicher als die Anleitung zur Kompromißbereitschaft? Literarisches und künstlerisches Erlebnis können doch auch nicht entbehrt werden. A. D.