In der Nähe von Köln, nur einen „Sprung“ von Bonn entfernt, weihte Bundespräsident Heuss einen neuen Golfplatz. Er soll Bonner Diplomaten zur Entspannung und zum geselligen Verkehr dienen.

Vielen Leuten gilt Golf als eine Angelegenheit lediglich der „feinen“, sprich: reichen Leute, ganz im Gegenteil etwa zu England und Amerika, wo, wie wir noch sehen werden, Golf ein wahrer Volkssport ist. Ob die Anwesenheit des Bundespräsidenten auf einem Golfplatz einen Wandel in dieser Auffassung schaffen wird? Hoffen wir’s! Denn Golf ist ein ebenso angenehmaufregendes wie unterhaltsames Vergnügen, außerdem ein Spiel, das große Geschicklichkeit erfordert. Golf ist keineswegs – wie manche glauben – nur eine Schrulle alter Männer, die sich nicht mehr allzusehr anstrengen möchten. Im Gegenteil: Zu einem Marsch über einen 18-Löcher-Platz gehört eine ordentliche Portion Ausdauer und Rüstigkeit. Gewiß besteht die Quintessenz des Golfspielens darin, einen Ball mit möglichst wenig Schlägen in eine Reihe von Löchern zu schlagen, die sich, mehr oder weniger weit voneinander entfernt, auf dem Spielplatz befinden. Aber hierbei kommt es auf das „Wie“ an. Die mannigfachen Schwierigkeiten, die dieses Spiel mit sich bringt, weiß nur der recht zu würdigen, der selbst einmal den Golfschläger geschwungen hat. Es ist ja nicht allein damit getan, den kleinen Ball mit einem der vielleicht zehn bis zwölf verschiedenartigen Schläger in die Luft zu befördern, sondern jeder Schlag erfordert genaue Überlegung, korrekte Haltung, Berechnung nach Stärke und Schwung. Wer die Taktik und die Technik des Schlages nicht beherrscht, kommt nicht mit. Und um sie zu beherrschen, muß man fleißig üben, unentwegt an sich arbeiten. Schon dies beweist, daß Golf durchaus nicht nur eine Sache des gereiften Alters ist.

Erfunden wurde Golf wohl in Holland („Kolf“ heißt ja so viel wie „Kolben“ oder „Schläger“); dennoch gilt das Golfspiel heute als das Nationalspiel der Schotten. Sie spielten es schon im 15. Jahrhundert mit solcher Begeisterung, daß das Parlament im Jahre 1475 eine Verordnung erlassen mußte, mit der das Spiel verboten wurde, weil es die Bevölkerung dem Bogenschießen entfremdete, das damals für die Wehrkraft des Landes von Bedeutung war. Von Schottland kam das Spiel nach England. Zum Volkssport aber haben es die Amerikaner entwickelt. Und zwar erst in den letzten Jahrzehnten. Noch vor dem ersten Weltkriege hielt man in den Vereinigten Staaten die Golfer für etwas „meschugge“ und das Spiel für kindisch. Heute gibt es jenseits des Ozeans fast vier Millionen Spieler. Golfplätze dürfte es in Amerika weit über 6000 geben. Hier stört es keinen, wenn er mit dem Kellner seines Hotels, mit dem Pagen seines Klubs, der ihn vor wenigen Stunden noch bedient hat, zusammentrifft. Hohe Staatsbeamte, fremde Diplomaten, reiche und gewaltige Männer der Wirtschaft und des Handels finden sich mir den „kleinen Leuten“ zu einer Partie zusammen.

Soll Golf auch bei uns – und das wäre wirklich zu wünschen – eine allgemeine Verbreitung erfahren, müßte man alles versuchen, dieses Spiel aus seiner Exklusivität heraustreten zu lassen.

Walther Kleffel