HMW Wien, Anfang Mai

In Österreich ist die Erinnerung daran, daß, die Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre mit dem Zusammenbruch der Creditanstalt in Wien, eingeleitet wurde, noch recht lebendig. Seither werden die Bilanzen dieses (seit der damaligen Sanierung „Creditanstalt-Bankverein“ genannten) Institutes besonders beachtet und als der (finanzielle) „mitteleuropäische Barometerstand“ gewertet.

In einer Reihe ungünstiger finanzieller Nachrichten – angefangen von der sich abzeichnenden Insolvenz der Bundesbahnen, bis zu dem neuerlich ansteigenden Budgetdefizit – hat nun der eben veröffentlichte Tätigkeitsbericht des Institutes als erfreuliche Sensation gewirkt, ja, man kann sagen, daß er in der Wirtschaft einen Stimmungsumschwung herbeigeführt hat. In fünf schwierigen Jahren ist es der Bank gelungen, alle Kriegsschäden zu überwinden, die Liquidität wiederherzustellen, Reserven zu schaffen und einen Gewinn zu erzielen, der dieses Institut wieder in die erste Garnitur europäischer Großbanken stellt. Bei der Bewertung der Aktiven sind die Verluste aus. 1945 voll berücksichtigt worden; man erfährt, daß die Creditanstalt ihre Reichswerte noch rechtzeitig abgestoßen hat, wodurch die dem österreichischen Staat aus der Kriegszeit entstandenen Verluste um 700 Mill. $ reduziert wurden. Generaldirektor Dr. Johann hat erwiesen, daß eine „konservative“ Geschäftsführung auch gleichzeitig expansiv sein kann.