John P. Marquand: Haus Wickford (Stuttgarter Verlag, Hamburg, 508 S., Leinen 19,50 DM).

Marquand ist der passionierte Schilderer der Bostoner Hautevolee. Routine und eine leichte. Feder geben seiner Kritik an der Gesellschaft ein gewisses Dutzendgesicht, das aber von einer stark entwickelten Freude am psychologischen Detail, blitzenden Dialogen und treffsicherer Konzeption aufgewogen wird. Er ist dazu ein Könner im Ausmalen von scheinbaren Belanglosigkeiten, die in ihrer besonderen Verknüpfung die Handlung spannen bis zum Ende. Seine Ironie ist gutmütiger als die der – Franzosen, doch fehlt ihr nicht die tiefere Bedeutung. Die Geschichte der dekadenten Familie Brill in „Haus Wickford“ nahe Boston ist ein Mittelding zwischen ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Problem der allenthalben angestoßenen Basen des menschlichen Zusammenlebens überhaupt und unterhaltender Spiegelfechterei, der man lebhaft Achtung zollen kann. Besonders die Gestalt der Bella, einer jungen Frau, die „nichts zu geben hat“, aber alles haben will, schillert in diesem Zwielicht. Bei uns gibt es eine so gut qualifizierte Sparte der Unterhaltungsliteratur nicht. H. Schl.