Für alle, die in der edlen Kunst des Skatspiels nicht genügend erfahren sind, bedarf es vielleicht einer Erklärung: der Witz beim „Ramschen“ ist, im Endergebnis möglichst wenig an zählenden Karten zu erhalten, also so billig wie möglich davonzukommen. Der Spieler, der „vorn“ sitzt, kann dabei die Chance ausnutzen, zwei Karten an den Gegner in Mittelhand zu „schieben“, wie auch dieser wiederum zwei Karten, die ihm unbequem sind, an den letzten abgeben kann, den also auch hier wieder die Hunde beißen ... Dieses fröhliche Spiel wird bei uns, in mannigfachen Abwandlungen, nun auch in der Wirtschafts- und in der Sozialpolitik betrieben. Beispiele? Beispiele mehr als genug!

... auch mit Menschenschicksalen

Je stärker die Erwerbslosigkeit in einem Gebiet ist, um so höher ist dort auch der Anteil der langfristig Erwerbslosen, also der Bezieher von Arbeitslosen-Fürsorgeunterstützung. In vielen Fällen sind dies Dauer-Arbeitslose, die als „berufsmäßig erwerbslos“ gelten müssen, und die ihre Unterstützung als eine Art ewige Rente auffassen – obwohl sie in vielen Fällen über laufende Einnahmen (aus deklariertem Nebenverdienst oder echter Schwarzarbeit – oft beides zusammen) verfügen. Von Berlin zum Beispiel weiß man, daß gut ein Drittel der als „arbeitslos“ gemeldeten Unterstützungsempfänger keine Arbeit suchen... weil sie nämlich schon anderweitig verdienen. Von Hamburg wurde nun vor einiger Zeit (in einem Leserbrief, abgedruckt im „Hamburger Abendblatt“ vom 18. April) über die folgende Praxis berichtet:

„Die große Zahl der Dauerarbeitslosen hat noch eine andere Erklärung. Wenn das für den Unterhalt einer Familie verantwortliche Mitglied arbeitsunfähig wird und die Bezüge aus der Sozialversicherung nicht (zum Lebensunterhalt) ausreichen, so hat... die Sozialfürsorge nach bestimmten Richtsätzen für Zulagen aufzukommen. Diese Zulagen hat voll (der Fürsorgeverband, im Falle Hamburg also) das Land, nicht der Bund, zu tragen. Nun ist man hier auf folgenden Trick verfallen, um die Belastung zu vermindern:

Die Zulagen werden, lange schon vor der Wiederherstellung der Arbeitskraft des Kranken (und in allen Fällen der Erwerbsunfähigkeit) entzogen, und gleichzeitig wird empfohlen, ein Familienmitglied (meistens: die Ehefrau) solle „stempeln gehen“ und damit Arbeitslosen-Fürsorgeunterstützung beziehen, die dann an die Stelle der Zulage (aus der Sozialfürsorge) tritt. Die Arbeitslosen-Fürsorgeunterstützung wird nämlich zu vier Fünfteln vom Bund und zu einem Fünftel vom Land getragen! Nach Angabe von Stellen, denen das Zahlenmaterial zugänglich ist, werden so in Hamburg (bei jetzt 110 000 Erwerbslosen insgesamt) rund 9000 Personen als arbeitslos registriert (und unterstützt), die in Wirklichkeit nicht erwerblos sind.“

Es fällt schwer, zu glauben, daß die Sozialfürsorger und -fürsorgerinnen in Hamburg, die als besonders qualifiziert gelten, sich auf ein solches Schieber-Spiel mit Menschenschicksalen einlassen. Vielleicht wird ihnen gegenüber die „Notwendigkeit“ hierfür seitens der Sozialbürokratie so motiviert, daß man derart mehr Manschen besser unterstützen könnte, als bei legalem Vorgehen. Wie es auch sei: die erwartete „Richtigstellung“ zu dem (übrigens mit vollem Namen gezeichneten) Leserbrief ist bisher, nach 14 Tagen, immer noch ausgeblieben. Und sicherlich liegen in anderen Fürsorgeverbänden die Verhältnisse nicht besser, sondern vielfach noch schlimmer, als in Hamburg!

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