Hamburg und Bremen haben ihre zentrale Stellung im Außenhandel, besonders beim Import wie auch im Export von Stückgütern nach Übersee wiedergewonnen, wobei ihr Spezialhandel – unterteilt nach Waren (Produktenfirmen), Märkten (Länderfirmen) und in jüngster Zeit ergänzt durch stärkere Spezialisierungen im technischen Bereich – den Rahmen bildet. Bei dem großen Umfang des Produkten-Imports in Hamburg fällt aber schwer ins Gewicht, daß die Börse noch keine Genehmigung zum Abschluß von Termin-Handelsgeschäften hat. So ist es dem Importeur nicht möglich, Termingeschäfte mit ihren großen Risiken (besonders in Zeiten des Käufermarktes) durch Deckungskäufe und -verkaufe zu sichern und somit auch Warenbestände anzulegen, die imstande wären, Konjunkturen auszugleichen. Konnten außerdem früher Warenlager aus Eigenkapital angelegt werden, so wirkt sich heute die Steuergesetzgebung dafür besonders nachteilig aus. Der Außenhandel hatte nicht die Vergünstigung des § 7 zur Selbstfinanzierung, so daß er die Korea-Gewinne entweder zu 80 bis 90 v. H. versteuern, oder im ganzen langfristig (z. B. im Wohnungsbau) anlegen mußte, also heute in beiden Fällen dafür die Konjunkturverluste und die steuerlichen Nachwirkungen tragen muß. Infolge des wesentlich erhöhten Risikos, der mangelnden Kapitalbildung und vermehrter Steuerlasten wird der Importhandel an der Erfüllung seiner Funktion behindert, langfristiger Vorsorger der Wirtschaft zu sein. Wo aber – besonders bei „Essentials“ – große Warenlager angelegt werden konnten oder mußten, ist es heute zu hohen Verlusten gekommen, die Kredit-Moratorien erfordern.

Andererseits hat es sich der Staat nicht nehmen lassen, die Veranlagungen zur Zahlung der Investitionshilfe acht Tage vor Erlaß der Berechnungsgrundlagen ins Haus zu schicken und jährliche Verzugszinsen in Höhe von 23 v. H. zu fordern, von den Umsatzsteuer-Rückvergütungen bis zur gegenwärtigen Änderung aber 25 v. H. bis nach Abschluß der Prüfungen – also rund ein Jahr lang – den Exporteuren vorzuenthalten. Dabei wird es dem Fiskus bekannt sein, daß viele Exportfirmen praktisch von der Umsatzsteuer-Rückvergütung leben. Ferner rufen die behördlichen Genehmigungs-, Berechnungs- und Prüfungsvorgänge die unglaublichsten Komplizierungen in Buchhaltung und Geschäftsbetrieb hervor, wofür zusätzliche (unproduktive) Arbeitskräfte nötig sind. Wenn der technische Spezialhandel zum Beispiel Buntmetalle unbeschränkt einkaufen, aber einfache Drahtgeflechte nur im langwierigen Genehmigungsweg exportieren darf, wenn bei Apparaturen die gesamte Anlage zwar „frei“, aber einzelne Teile davon genehmigungspflichtig sind, und wenn Genehmigungs- und Zollamt sich darüber streiten, ob eine Belüftungsanlage „erfaßt“ wird, (wenn ja: unter welcher Rubrik), so daß der Exporteur deswegen, eigens nach Bonn fahren muß – so wird man dem wuchernden Bürokratismus die Vernunft absprechen müssen.

Die Betätigung des Staates in der Außenwirtschaft erweist sich überall – von der mangelnden Versorgung der Industrie mit Rohstoffen bis zur fehlenden konsularischen Vertretung im Ausland oder in summarischen Steuermaßnahmen – als umsatzhemmend und verteuernd. Die Errichtung der Frachten-Treuhandstelle durch das Bundesverkehrs- und das Ernährungsministerium nimmt z. B. dem Getreide-Import die Möglichkeit zur Aushandlung wesentlich billigerer Frachtraten, während das Getreidegesetz starre Preisverhältnisse in einem „weichen“ Markt schafft und den Leistungswettbewerb verhindert. Weiter hat das generelle Verbot von Kompensationsgeschäften zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten verhindert, was wiederum Anlaß zur Steigerung von switch-Geschäften gab. Nun will man die Starrheit von fiktiven Kursrelationen durch ebenso starre Einfuhranrechte überwinden.

Gewiß haben letzten Endes alliierte Forderungen den Anlaß zu übermäßigen Belastungen und Kontrollen gegeben. Aber es ist eine allzu bequeme Methode der Bürokratie geworden, ihr eigenes Versagen dahinter zu verstecken – wobei das Bemühen vieler Verwaltungen nicht verkannt werden soll, eben sorgsam „verwalten“ und nicht „eingreifen“ zu wollen: also den Fachleuten zu übertragen, was ihres Faches ist. E. O. Genzsch