Die über die Entwicklung der internationalen Warenmärkte während der zweiten April-Hälfte vorliegenden Meldungen sind allesandere als zuversichtlich. Die Preisrückgänge für Rohstoffe und Fertigwaren haben sich fortgesetzt und die Gesamttendenz ist noch immer eindeutig nach unten gerichtet. Darüber können auch einige Preiserhöhungen, wie für Rohwolle, Zucker, Kakao, Häute (nur in USA) und Talg nicht hinwegtäuschen. Denn nun sind neue Warengruppen in den Rückgang einbezogen worden: Chemikalien, Zeitungspapier, Blei und Zink; neue Länder haben Einfuhrbeschränkungen angekündigt und Produktionsüberschüsse machen sich bemerkbar.

Erneut verschlechter hat sich die Lage auf dem Texti1gebiet. Allerdings ist eine gewisse Verlagerung eingetreten. Die Preise für Rohwolle haben auf den Auktionen der letzten Wochen in Australien und Neuseeland um 5 bis 10 v. H. und mehr angezogen. Die Meldungen über die Lage der Wollindustrien in USA, England, Frankreich, Japan und Belgien lassen aber erkennen, daß die Absatzstockung in den verschiedenen Stufen noch nicht behoben ist, und daß der Käuferwiderstand eher noch zugenommen hat. Sowohl beim Einfuhrhandel, wie bei den Spinnereien, den Webereien, beim Großhandel und Kleinhandel sind bedeutende Lagervorräte vorhanden, die bei hohen Einstandspreisen nur mit Verlust abgesetzt werden können, wozu sich die Inhaber aber immer noch nicht entschließen können. Alles wartet deshalb auf Ge-1egenheitskäufe von notleidender Ware und hält mit neuen Engagements weitgehend zurück. Der Wollwarenverbrauch in USA wird nur noch auf 2 Mill. Yards geschätzt gegen 6 Mill. im vorigen Jahr. In den übrigen Ländern ist das Verhältnis kaum anders. In England soll der Großhandel 50 v. H. mehr Ware auf Lager haben als 1951. Es wird also geraume Zeit vergehen, ehe dies „verdaut“ ist und die Produktion, wieder stärker anläuft.

Kritischer noch als in der Wollindustrie sieht es in der Baumwollindustrie aus. An der New Yorker Börse ist der Preis von 42,28 cts auf 39,55 cts zurückgegangen, in Alexandrien der Preis für Karnak auf 113,95 Tall. je Kantar gegen 116,30 Mitte April. Bis Ende März sind von Ägypten in der jetzigen Saison im ganzen nur 2,7 Mill. Kantors an Baumwolle exportiert worden gegen 4,4 und 4,8 Mill. in der gleichen Zeit der beiden vorhergehenden Jahre. – In England hat die Zahl der Arbeitslosen in der Baumwollindustrie bis Mitte April auf 150 000 bis 180 000 Personen zugenommen. – Die Baumwollproduktion der Welt wird vom Internationalen Baumwollausschuß für 1951/52 auf 34,5 Mill. Ballen geschätzt. Es ist dies die zweitgrößte Welternte, die je eingebracht worden ist, und sie übertrifft diejenige des Jahres 1950/51, die bei guter Konjunktur gerade noch untergebracht werden konnte, um nicht weniger als 6,7 Mill. Ballen. Daß die Preise noch nicht stärker gesunken sind, ist in der Hauptsache auf die Stützungsaktionen der Regierungen, vor allem der amerikanischen zurückzuführen. – Der Preis für Jute hat in Kalkutta erneut nachgelassen; er steht jetzt auf 210 Rupies per Ballen gegen 230 Rupies Mitte April. Auf dem wichtigen amerkanischen Markt werden zur Zeit nur kleinste Partien zur Deckung des notwendigsten Bedarfs gekauft. Der Handel, erwartet weitere Rückgänge. – Sisal, der bisher recht fest lag, ist nunmehr ebenfalls, stärker in die rückläufige Preisbewegung einbezogen worden. An der Londoner Börse wurde Nr. 1 zuletzt mit £ 190 per t cif England notiert. Die Käufer haben aber auch zu den reduzierten Preisen noch wenig Interesse und erwarten, gestützt auf verhältnismäßig große Vorräte, weitere Preisermäßigungen.

Die Preise für Ole und Fette, von denen man bereits annahm, daß sie ihren tiefsten Stand erreicht hatten, sind erneut zurückgegangen. Die Aufhebung der Preiskontrolle für einige dieser Produkte in USA hat den Markt in keiner Weise beeinflußt. Die Weltproduktion ist in den letzten Jahren ständig gestiegen und wird für 1951 amtlich auf 25,85 Mill. sh t geschätzt gegen 22,96 Mill. t vor dem Kriege. Für das neue Erntejahr wird mit einer noch höheren Produktion vegetabiler Die und tierischer Fette gerechnet. Dazu kommt ein beträchtlicher Überhang aus der vorjährigen Produktion, der Vom US Landwirtschafts-Department auf 49 000 bis 500 000 t geschätzt wird. Das englische Ernährungsministerium, das auch heute noch ein Einfuhr- und Verteilungsmonopol für Die und Fette besitzt, hat trotz der Preisrückgänge auf dem Weltmarkt monatelang an den alten Abgabepreisen festgehalten. Die Differenz zwischen den Weltmarktpreisen und den amtlichen englischen Sätzen ist aber zu groß geworden, und die Regierung hat sich nunmehr zu größeren Preisermäßigungen – bis zu 15 v. H. für Die und 4 1/2 v. E. für Ölsaaten entschlossen;

Die stark gebesserte Weltversorgung in NE-Metallen führte in der Berichtsperiode zu einer Senkung des Bleipreises seitens der American Smelling and Refining Company auf 18 cts je lb, Lieferung New York, womit der offizielle Preis um 1 cts unterboten wird. Als Gründe für diesen unerwarteten Schritt werden angegeben: große Zufuhren, zunehnehmendeuropäisches Angebot zu niedrigen Preisen, zeitweise Einstellung der Regierungskäufe (für strategische Zwecke) und geringe zivile Nachfrage im Binnenlande. Zwei Tage später kündete auch das englische Material-Ministerium eine Ermäßigung des offiziellen Preises für eingeführtes Blei von 163 £ auf 155 £ je t an. Auf dem europäischen Festlande wird Blei aber bereits mit 135 £ lob offeriert, – Auch auf dem Zinkmarkt scheint sich eine Preisermäßigung vorzubereiten. Die Weltproduktion außerhalb des Eisernen Vorhanges wird für 1952 auf 2,4 Mill. sh t geschätzt, während der Bedarf auf kaum mehr als 2,30 Mill. t berechnet wird. Das Geschäft in Zink ist gegenwärtig sehr flau, da die Verbraucher in Erwartung von Preisrückgängen äußerst vorsichtig einkaufen. Die Vorräte bei den Produzenten steigen deshalb von Woche zu Woche. Von Belgien soll Zink in der letzten Zeit bereits zu 157 bis 160 £ Je t fob Antwerpen angeboten worden sein, während der offizielle Londoner Preis 190 £ pro t beträgt. – Selbst auf dem Kupfermarkt machen sich bereits gewisse Schwächeerscheinungen bemerkbar. Aus Chile wird berichtet, daß die Regierung einen Preis von 1200 $ je t am freien Weltmarkt fordert, während nicht-amerikanische Käufer nur 700 $ bieten.

Die amerikanischen Preise für Häute und Felle, die bereits weit unter dem vorkoreanischen Niveau liegen, haben sich in der Berichtsperiode etwas befestigt. Die Schuhfabriken zeigen wieder mehr. Interesse, und es besteht die Aussicht, daß die Verwendung von Leder bei ihnen wieder beträchtlich zunimmt, also das durch Ersatzmaterial verlorene Terrain zurückerobert wird, wenn die Gerbereien ihre Preise auf dem jetzigen Stand halten. – In Deutschland sind die Häutepreise in letzter Zeit weiter zurückgegangen. Von der letzten südwestdeutschen Häuteauktion in Mainz werden Preiseinbrüche bis zu 25 v. H. gemeldet. Dort und auf der letzten Auktion in Hannover blieben größere Posten unverkauft. Im deutschen Schuhhandel ist, veranlaßt durch die herabgesetzten Preise, eine Belebung eingetreten.

Auf dem englischen Chemikallenmarkt ist ein starker Preisrückgang für Essigsäure und Arsenik bei leichteren Abschwächungen für einige andere Produkte eingetreten. In Schwefelsäure wird eine Produktionseinschränkung erwartet, da die Lager überfließen. Kalzinierte Soda und verschiedene andere Chemikalien, die noch vor kurzem knapp waren, werden jetzt reichlich angeboten.