Seitdem es gelungen ist, die 75prozentige Liberalisierung der Einfuhr in die Tat umzusetzen, ergibt sich nunmehr die Frage nach den erzielten und erzielbaren Vorteilen dieser Auflockerung unserer Außenwirtschaft.

Im Gegensatz zu dem Beginn der verstärkten Liberalisierung am 1. Juli 1950, als die EZU ihre Arbeit aufnahm und nun (zufällig gleichzeitig) die Korea-Krise alle Warenmärkte mit einer wachsenden Haussebewegung überraschte, hat sich seit Anfang 1952 gezeigt, daß die sich jetzt frei entfaltende Nachfrage der Käufer vorsichtig blieb. Zu dem befürchteten „geballten Ansturm“ auf Einfuhr- und Zahlungsbewilligungen ist es nirgendwo gekommen. Es hat sich vielmehr erwiesen, daß die hauptsächlich im Januar 1952 verstärkt beantragten Einkaufsermächtigungen keineswegs in gleichem Maße in EZB umgewandelt wurden. Im weiteren Verlauf ging dann auch die Zahl der Anträge auf Einkaufsermächtigungen erheblich, zurück. Somit war die vom Bundeswirtschaftsminister und von der Wirtschaft. angestrebte Wirkung weitgehend schon in den ersten Monaten der Reliberalisierung erreicht worden. Die Bundesregierung brauchte daher kein „untragbares“ Risiko darin zu sehen, als sie, dem Wunsche der OEEC nachkommend, ab 1. April die liberalisierte Warenliste um weitere rund 20 v. H. auf nunmehr 75 v. H. der Einfuhr erhöhte. Auch die ab 1. April neu hinzutretenden Warenarten, darunter Kakao und Kaffee, haben nichts an der behutsamen Handhabung der Einfuhr geändert. Soweit die auf der Freiliste stehenden Waren aus dem Bereich der EZU stammen, stand es jedem Antragsteller offen, Anträge auf eine Einkaufsermächtigung zu stellen. Die während der Gültigkeit des Plafondverfahrens von Mai bis Dezember 1951 aus der marktmäßigen Enge gezüchtete Gier nach den im Bundesanzeiger ausgeschriebenen Einfuhrmöglichkeiten war im neuen Jahr nur noch zum Teil bei vereinzelten nicht-liberalisierten Waren erkennbar, die noch nach dem alten Ausschreibungsverfahren eingekauft werden müssen. Darunter fällen die Erzeugnisse aus den Ländern, die der OEEC nicht angehören, wie den gesamten überseeischen Staaten, mit Ausnahme des Commonwealth und des französischen Kolonialreiches.

Diese Erfahrungen lassen überzeugend klar erkennen, welche erstaunlichen Kontraste schon allein durch die Einfuhrverfahrensart der gebundenen Plafondausschreibungen einerseits und der Liberalisierung andererseits festzustellen waren.

Die deutsche Einfuhr 1951 stand im Zeichen der Plafondeinfuhren mit ihren ungezügelten Überzeichnungen und den bis zum höchsten Grad der Unvernunft gesteigerten Splitterquoten. Fast jede Ausschreibung hatte unter dieser durch die Gewerbefreiheit noch geförderten Überbelastung zu leiden. Daß dabei die Experten durch die Flut der sich aus allen Teilen der Bevölkerung mehrenden Antragsteller allmählich ins Hintertreffen gerieten, ist nur eine der Nebenerscheinungen dieses notbedingten Systems, bei dem die Antragsteller ein preisliches-Risiko nie zu laufen brauchten. Aber auch die Wirkung im verkaufenden Auslande war sehr eindrucksvoll. Schon die öffentlichen Einkaufsankündigungen im Bundesanzeiger, der in großen Auflagen vom Verlag direkt ins Ausland geliefert wurde, gaben den Weltmärkten willkommene Anregungen. Auch im Ausland entstand ein wüstes Gedränge um die deutschen Zuschläge aus den veröffentlichten Ausschreibungen. So ist es nicht verwunderlich, daß die Einkaufspreise bei Bekanntwerden der Ausschreibungen im Auslande allgemein in die Hohe gesetzt wurden, während nachher wieder eine Beruhigung einzutreten pflegte.

Wenn man nun bedenkt, daß während des Jahres 1951 trotz aller Behinderungen und Schwierigkeiten schließlich doch alles ins Bundesgebiet hereingekommen ist, um unsere Läden zu füllen, so drängt sich die Erkenntnis auf, daß dieser nervenkitzelnde, alle Märkte innen und außen aufrührende Plafond-Mechanismus den größten Teil des Wirbels überhaupt erst erzeugt hat.

Demgegenüber sehen wir 1952 den Ablauf der Einfuhr während der ersten vier Monate im Rahmen des liberalisierten Verfahrens frei von allen Verkrampfungen, die das Ausschreibungs-Plafondverfahren uns 1951 beschert hatte. Jetzt zeigte sich die ruhige Überlegung der Fachleute, den richtigen Zeitpunkt des Einkaufs im Wege geübter Beobachtung der verschiedenen Auslandsmärkte ausfindig zu machen. Dort wartet man vergeblich auf die früher so beliebten Einkaufssignale im Bundesanzeiger. Das liberalisierte Verfahren braucht zu seinem Funktionieren keine Ausschreibungen. Es arbeitet nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Es ist daher sicher, daß die Einfuhren des Jahres 1952 so gut wie unbelastet sind von jenen Sonderauf schlagen im Ein- und Verkauf, die nur durch die Kompliziertheit des Plafondverfahrens mit allen unliebsamen Nebenerscheinungen verursacht waren. Der Wettbewerb der leistungsfähigsten Fachleute auf dem Importgebiet hat bereits in den ersten vier Monaten dieses Jahres voll eingesetzt. Wer in den verschiedenen Sachgebieten den Einfuhr nicht wirklich über gute Fach- und Marktkenntnisse verfügt und sie nicht richtig anzuwenden vermag, hält sich schon aus eigenem Antrieb zur Vermeidung von Verlusten zurück.