Fragen beweisen nicht Unkenntnis, sondern Streben nach Fortschritt“, predigt das Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) allen denen, die noch Hemmungen haben, sich des Technologischen Informationsdienstes des RKW zu bedienen. Jenes Dienstes, der für die westdeutsche Wirtschaft in technischer und betriebswirtschaftlicher Hinsicht ein „Fen- und nach draußen“ sein will, nach den Jahren der Abgeschlossenheit von der einschlägigen internationalen Entwicklung.

Dem Interessenten bieten sich verschiedene Unterrichtsmöglichkeiten: Neben dem eigentlichen Informationsdienst (von Januar 1951 bis Ende Februar 1952 rund 600 mündliche, telefonische und schriftliche Anfragen) und dem kostenlosen Technical Digest (Materialzusammenstellung aus Fachzeitschriften durch MSA), sind hier der OEEC-Dokumentenaustausch, der RKW-Filmdienst, die Beschaffung von Prospekten, Broschüren usw. (gratis) aus den USA und europäischen Ländern für deutsche Firmen sowie die von Mustern (im Rahmen des Programms der Technischen Hilfeleistung der MSA) für Versuche in heimischen Unternehmen zu nennen.

Der Informationsdienst basiert auf drei Säulen: dem innerdeutschen Informationsnetz (mit namhaften Instituten, Organisationen und Verbänden im Aufbau), dem europäischen (Verbindungen mit Belgien, Holland, Frankreich und der Schweiz, Österreich, Italien, England, Däne-, mark, Schweden und Norwegen) sowie dem überseeischen Netz (Kanada, USA), dessen starker Rückhalt das Office of Technical Services beim Department of Commerce ist. Weit mehr als Großunternehmen, die vielfach wieder direkten Auslandskontakt haben, profitieren natürlich die zahlreichen Mittel- und Kleinbetriebe von dieser Einrichtung, die Kosten und Zeit für natürlich rige eigene Experimente sparen hilft.

Daß Patente und Betriebsgeheimnisse tabu sind, versteht sich wohl von selbst. Im übrigen werden versteht vom RKW anonym weitergeleitet, so daß die Angaben der deutschen Firmen über Produktionsprogramm, Beschäftigtenzahl, Stand der eigenen Forschung und dergleichen, die zur sachdienlichen Erledigung der jeweils sehr speziellen Fragen unerläßlich sind, ohne Gewissensbisse gemacht werden können. Das RKW verfügt bereits über eine Fülle ausgewählter Einzelinformationen für 26 Branchen von A(utomobil-) bis Z(igarettenindustrie); die periodisch komplettierten Listen mit wichtigsten Daten sind eine veritable Fundgrube.

Mari ist intensiv dabei, in jedem Wirtschaftszweig immer neue Partner zu suchen, die ihrerseits Anfragen kostenlos nach dem Prinzip „Nehmen und Geben“ – beantworten; nur auf dieser Basis läßt sich der Dienst so ausbauen, wie es den Intentionen des RKW und den realen Erfordernissen der gewerblichen Wirtschaft entspricht. Also: Mitarbeit auf breiter Ebene tut not; bisher sind längst nicht alle diesbezüglichen Reserven ausgeschöpft. Am Rande bemerkt: von den 600 Anfragen wurden rd. 250 durch innerdeutsche Informationsstellen erledigt, etwa 350 nach den USA geschickt, von dort 230 geklärt. Und unserer Wirtschaft also ins Stammbuch: Mehr Gebrauch machen von den Informationschancen!

Dem Filmdienst stehen zur Zeit 270 Streifen mit 40 verschiedenen Titeln sowie ein Dutzend Tonfilmapparate zur Verfügung. Auf jede RKW-Bezirksgruppe kommen damit acht bis zehn Filme, die auf Anforderung der Firmen bei diesen gezeigt werden. Innerhalb von 90 Tagen registrierte man 93 Filmanforderungen; die Besucherzahl der letzten vier Monate überstieg die der ersten elf Monate 1951. Bis Jahresmitte ist auch ein deutscher Film (550 Meter über „Produktivitätssteigerung“) fertig. Das ist zu begrüßen; denn erst Filmbeigaben machen Vortragsveranstaltungen attraktiv. Auf Grund des Austauschabkommens der OEEC-Länder. gelangen allmonatlich Hunderte der wichtigsten Fachbücher und -zeitschriften in die Bundesrepublik. Herstellerverzeichnisse und erstklassige Fachbücher Zusammenstellungen, Berge von Broschüren, Katalogen, Photokopien aus Fachveröffentlichungen und statistische Unterlagen sind die reiche Ernte aus den deutschen Anfragen, derer sich die ausländischen Informatoren annehmen. – Viel, erstaunlich viel Nützliches wurde in relativ kurzer Zeit im Geiste einer an nationale Grenzen nicht gebundenen Kooperation von ein paar Menschen in (wahrhaft besessener) Kleinarbeit geleistet. Was könnte noch alles getan werden, wenn mehr Geld für diese entscheidend wichtigen Zwecke vorhanden wäre... H. B.