Vom 14. bis 16. Mai treffen sich anläßlich des 3. Deutschen Fremdenverkehrs-Tages’ 1000 Fachleute aus dem In- und Auslande in Hamburg, um Fragen des Fremdenverkehrs zu erörtern und gleichzeitig für den Fremdenverkehr zu werben.

Nur wenige Wirtschaftszweige haben über ihre ureigenen Aufgaben hinaus eine so weitreichende ideelle Bedeutung wie der Fremdenverkehr. Man kann sogar sagen, daß diese ideelle Bedeutung den Fremdenverkehr schlechthin darstellt, denn die wirtschaftlichen Aufgaben werden von anderen Trägern durchgeführt, so insbesondere vom Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe, den Verkehrsunternehmen, z. B. der Bundesbahn, und vielen Industriezweigen, angefangen von der Postkarte bis zum Hotel- und Gaststättenbedarf, der fast einen Querschnitt durch die gesamte Wirtschaft darstellt.

Bald nach dem Kriege wurde die Notwendigkeit einer Belebung des Fremdenverkehrs unterstrichen. Aber die Erkenntnis, daß auch hier Vorleistungen vorausgehen müssen, setzte sich nur langsam durch. Dem Optimismus einiger führender Köpfe und dem tatkräftigen Zupacken der breiten Schicht aller vom Fremdenverkehr Abhängigen ist es inzwischen jedoch gelungen, den deutschen Fremdenverkehr wieder zu einem wichtigen Faktor der Wirtschaft (und der Gesundheitspflege) zu machen und ihm internationale Anerkennung zu verschaffen. Aber erst seit 1949 kann wieder von einem westdeutschen Fremdenverkehr gesprochen werden. Während die Fremdenübernachtungen im Bundesgebiet im Sommer 1949 nur etwa 30 v. H. der von 1937 betrugen, konnten sie 1950 auf 60 v. H. und 1951 auf 70 v. H. des Vorkriegsumfanges gesteigert werden. Daraus ergibt sich, daß der Fremdenverkehr noch,sehr erhebliche „Leistungsreserven“ aufzuweisen hat. Wie weit diese Reserven ausgeschöpft werden können, hängt zunächst von der Kaufkraft der breiten Bevölkerungsschichten ab. Seitdem der Nachholbedarf für Bekleidung und Wohnung erheblich geringer geworden ist, können ohne Zweifel mehr Mittel für Reisen eingesetzt werden. Diese Wandlung hat sich bereits im letzten Jahre gezeigt und dürfte sich 1952 fortsetzen, sofern die Lebenshaltungskosten keinen Strich durch die Rechnung machen. Sie bestimmen den Umfang der Reisen von zwei Seiten her. Einmal legen die Lebenshaltungskosten den für Reisen verfügbaren Betrag fest, aber ebenso stark wirken. sie über erhöhte Verpflegungskosten (oder verminderte Verpflegungsleistungen) ein. Hier liegt ein großes Problem für die Gaststätten- und Hotelbetriebe, das von den Stellen, die aus den übergeordneten Gesichtspunkten der Gesundheit und Völkerverständigung am Fremdenverkehr interessiert sind, weit stärker als bisher beachtet werden sollte.

Das Sommerhalbjahr 1951 brachte in die 1866 Fremdenverkehrsorte des Bundesgebietes 9,38 Millionen Fremde mit insgesamt 34,05 Mill. Übernachtungen. Erfreulicherweise ist dabei der Anteil der Übernachtungen von Ausländern gestiegen, er hat sogar fast den Vorkriegsstand erreicht. Während 1949 nur 2,2 v. H. der Übernachtungen auf Ausländer entfielen, stieg der Anteil 1950 bereits auf 6,5 v. H. und 1951 auf 6,8 v. H. (Vergleichsziffer 1937 7,1 v. H.) Die Deviseneinnahmen aus dem Reiseverkehr der Auslandsgäste betrugen von April bis September 1951 rund 140 Mill. DM, dagegen sind im gleichen Zeitraum 1950 nur etwas mehr als 70 Mill. DM eingenommen worden. Neben dieser erfreulichen Verkehrssteigerung ist vor allen Dingen auch die Normalisierung des Auslandsverkehrs zu begrüßen, weil sie ein weiteres Ansteigen der Verkehrsziffern erwarten läßt. Während in den ersten Jahren die Besucherziffern weitgehend Angehörige der Besatzungsmächte erfaßten, berichteten sie in 1951 von einem stark zunehmenden Verkehr aus den europäischen Ländern, die bereits früher einen erheblichen Teil der Auslandsgäste in Deutschland stellten, insbesondere aus Holland, Belgien, den nordischen Staaten und den USA.

Wer vom Fremdenverkehr spricht, muß international denken. So darf auch der 1951 angelaufene und 1952 sich voraussichtlich wesentlich verstärkende Reiseverkehr aus dem Bundesgebiet ins Ausland begrüßt werden. Die Vereinfachung der Devisenzuteilungen (bis zu 500 DM je Teilnehmer und Jahr) wird einen beachtlichen Auftrieb geben. Nichts vermag die gefühlsmäßigen Schranken, die zwischen die europäischen Völker geschoben wurden, schneller zu beseitigen als der persönliche Gedankenaustausch durch Besuche im Ausland. Viel ist von der internationalen Verhärtung bereits beseitigt; dazu hat wesentlich der bisherige Fremdenverkehr beigetragen, auch wenn er sich in engen Grenzen hält. Die Verbesserung der Verkehrsverbindungen, an denen die europäischen Eisenbahnverwaltungen einträchtig arbeiteten, als auf anderen Gebieten die „Fraternisierung“ noch wenig erwünscht war, hat die Verkehrsströme über die Grenzen verbreitert. Der Kraftwagen und seine großzügige Behandlung an der Grenze hat ebenso zur Wiederanknüpfung freundnachbarlicher Beziehungen seinen angemessenen Beitrag geleistet. Die gute Aufnahme, die unsere ausländischen Gäste in Deutschland fanden, ließ den Wunsch zu einem vermehrter Verkehrsaustausch gleichfalls stärker werden. Dies vor der Öffentlichkeit zu dokumentieren und vor allen Dingen die politischen Stellen auf die Schlußfolgerungen aufmerksam zu machen, dürfte der Sinn der Tagung in Hamburg sein. G. P.