ww. Antwerpen, im Mai

Die Gefahr einer blinden Mechanisierung und eines materialistischen Kollektivismus hat nach Kriegsende in fast allen europäischen Ländern aktive Kräfte aus jungen Unternehmerkreisen zur Abwehr vereint. Sie sehen ihre Aufgabe in der Überwindung der Mechanisierung der menschlichen Beziehungen in den Betrieben, und sie haben bereits 1950 unter dem Patronat der Mustermesse von Utrecht eine erste Tagung über diesen ganzen Themenbereich durchgeführt. Im vergangenen Jahr folgte dann eine weitere Zusammenkunft in Luxemburg, der sich kürzlich eine dritte Tagung in Genf, anschloß. Hier beschäftigte man sich vor allem mit den Fragen der menschlichen Beziehungen auf dem Gebiet der Produktivität. 1953 werden die jungen Unternehmer der Bundesrepublik Gastgeber einer Tagung der jungen Arbeitgeber Westeuropas sein und mit ihren Gästen den Erfahrungsaustausch über Menschenführung und soziale Betriebsgestaltung pflegen. Ziel auch dieser Zusammenkunft soll es sein, die Gefahr einer Vermassung in der europäischen Arbeitnehmerschaft zu beseitigen.

Westdeutschland kann für sich in Anspruch nehmen, auf diesem Gebiet neue Wege beschritten zu haben. In allen Teilen der Bundesrepublik wurden enge oder auch lose Vereinigungen junger Unternehmer gebildet, die sich vor allem mit den Fragen des sozialen Betriebsklimas beschäftigen. Sehr rührig ist darin der Juniorenkreis der Industrie- und Handelskammer Ravensburg, der übrigens am 16. Mai in Langenargen eine Zusammenkunft südwestdeutscher Junioren mit Referaten von Dr. Raymond und Dr. Jörg durchführt. Kürzlich versammelte sich die Arbeitsgemeinschaft junger Unternehmer in Stuttgart (siehe „Die Zeit“, Nr. 16) und befaßte sich intensiv mit dem Kern der heutigen sozialen Fragen. Eigene Wege, besonders aus fachlichen Gründen, gingen die jungen Stoffdrucker, die unter Heinrich Habig jr. sich zu einer internationalen „Kommision Junger Stoffdrucker“ mit Teilnehmern aus Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz, Schweden und Deutschland zusammengeschlossen haben, während sich z. B. in Hamburg junge Unternehmer aus eigener Initiative vereinten und bei der Industrie- und Handelskammer Essen eine „Arbeitsgemeinschaft junger Unternehmer“ ins Leben gerufen wurde.

Diese Arbeitsgemeinschaft junger Ruhrkaufleute hat jetzt, recht erfolgreich, den ersten Schritt unternommen, um mit jungen Unternehmern Belgiens ins Gespräch zu kommen. Eine Gruppe von 20 Teilnehmern wurde von den Junioren der Brüsseler Handelskammer herzlich empfangen, besuchte die Brüsseler Messe und war an einem weiteren Tag Gast der Juniorengruppe des Flämischen Wirtschaftsverbandes, die den jungen Kaufleuten mit berechtigtem Stolz den Hafen von Antwerpen zeigte. Mit 11 425 im Vorjahr eingelaufenen Seeschiffen und 21,275 Mill. NRT. steht Antwerpen in der internationalen Liste der Häfen an dritter Stelle. Die deutsche Flagge nahm 1951 den 9. Platz mit 1094 Schiffen und 940 298 t ein. Erfreut stellten die jungen, deutschen Unternehmer die Anwesenheit des Motorschiffes „Westfalen“ der Hugo Stinnes-Reederei fest und kamen gerade hinzu, wie Krupp-Omnibusse in dem sehr modernen Hafen nach Übersee verladen wurden. Daß man aber nicht nur an merkantilen, sozialen und betrieblichen Fragen interessiert war, bewies der eingehende Besuch des Rubens-Hauses ...

Dieses so verheißungsvoll begonnene belgisch-„deutsche Juniorengespräch sollte, so finden wir, von weiteren Gruppen und mit anderen Nachbarländern recht bald fortgesetzt und durch Gegeneinladungen erweitert werden. Der unmittelbare Gedankenaustausch zwischen jungen Wirtschaftlern dient in starkem Maße unserer großen europäischen Aufgabe. Selbstverständlich gehört zur Durchführung solcher Gespräche eine ausgezeichnete organisatorische Vorbereitung, um Gästen und Gastgebern die nun einmal erforderliche Gesprächsbasis ohne besondere Belastungen zu schaffen.