Mit dem Beschluß, die Preisbeschränkungen und das Versteigerungsverbot für die Holz-Massensortimente aufzuheben, hat die Bundesregierung einen neuen Schritt zur Wiederherstellung der Marktwirtschaft getan. Damit ist der Schlußstrich unter eine Entwicklung gesetzt worden, die nach 15jähriger „preislicher“ und „mengenmäßiger“ Bewirtschaftung des Rund- und Schnittholzes über eine stufenweise Lockerung zur völligen Beseitigung aller Bewirtschaftungsmaßnahmen auf dem Holzmarkt (mit Ausnahme des noch erhalten gebliebenen Submissionsverbotes) geführt hat.

Noch im vergangenen Herbst glaubten weite Kreise der Holzkäufer und Holzverbraucher, wie auch die zuständigen Bundesministerien, an Preis- und Verkaufsbeschränkungen für die wichtigsten Sortimente festhalten zu müssen.

Bei dem Mißverhältnis zwischen Angebot und Bedarf fürchtete man Preisübersteigerungen, die aus wirtschaftlichen und politischen Gründen, vor allem auch mit Rücksicht auf den sozialen Wohnungsbau, vermieden werden sollten. Die Bundesregierung hat damals mit den für die Preisfreiheit plädierenden Spitzenorganisationen des Waldbesitzes eine Vereinbarung getroffen, wonach sich der Waldbesitz aller Kategorien verpflichtete, nach Aufhebung der Rundholzrichtpreise bestimmte Preisgrenzen für die wichtigsten Nadelholzsortimente nicht zu überschreiten. Obwohl diese Preisgrenzen als angemessen und auskömmlich zu bezeichnen waren, stellte sich doch bald heraus, daß der Waldbesitz sich mit den eingegangenen Verpflichtungen übernommen hatte. Namentlich der Privat- und Gemeindewaldbesitz, der 68,7 v. H. der Forstflächen umfaßt, negierte die Bemühungen, durch freiwillige Absprachen die Ordnung auf dem Holzmarkt sicherzustellen, und erreichte angesichts des akuten Rundholzmangels, in Verbindung mit spekulativ eingestellten Käuferkreisen, daß sich, durch offene Überschreitung der Preisgrenzen, durch übermäßige Aushaltung von sogenannten Sondersortimenten und durch versteckte Nebenabreden, ein gespaltener Markt bildete. Die Preisbildungsstellen der Länder erwiesen sich bei der großen Zahl der zu überwachenden Waldbesitzer und Holzkäufer sowie angesichts der auf schwachen Füßen stehenden Rechtsgrundlagen als zu schwach, um die illegalen Preisüberschreitungen wirksam zu bekämpfen. Die Leidtragenden waren die verantwortungsbewußten Kreise der Forst- und Holzwirtschaft, nämlich auf der einen Seite der Staatswald – der mit ansehen mußte, wie weite Kreise des Gemeinde- und Privatwaldes für de gleiche Holzqualität illegal höhere Preise einsteckten – und auf der anderen Seite diejenigen Kreise der Holzkäufer, die als korrekte Kaufleute Rundholzeinkäufe zu illegalen Preisen ablehnten und infolgedessen beim Kampf um die zu kurze Rohstoffdecke mehr oder weniger leer ausgingen.

Es hatte sich somit eindeutig ergeben, daß das Mißverhältnis zwischen Holzanfall und Bedarf es nicht ermöglicht, eine Ordnung auf dem Holzmarkt mit anderen als marktkonformen Mitteln herbeizuführen. Der Wille des „am längeren Hebelarm“ sitzenden Waldbesitzes, unter allen Unständen an der günstigen Konjunktur teilzunehmen, hätte sich bestenfalls nur durch Wiedereinführung straffer Bewirtschaftungsmaßnahmen und Höchstpreisverordnungen bändigen lassen, die aber mit Recht, nach den Erfahrungen der Nachkriegsjahre, überall einmütig abgelehnt wurden. Freilich gibt es auch heute noch in einigen Kreisen der Holzwirtschaft die Meinung, daß die Beibehaltung des bisherigen Zustandes, trotz seiner unbefriedigenden Nebenerscheinungen das kleinere Übel darstellen würde. Aber diese Kreise, die in den letzten Monaten wesentlich kleiner geworden sind, geben auch zu, daß der jetzige Zeitpunkt nicht ungünstig gewählt ist, um echte Marktbedingungen auf den Holzmarkt herbeizuführen. Die Bundesregierung hat neuerdings alle Arten von Rund – und Schnittholz auf die Liberalisierungsliste gesetzt uud in den Wirtschaftsabkommen mit Österreich, Schweden, Finnland, Jugoslawien, Polen usw. Einfuhrkontingente festgelegt, die – umgerechnet auf fm – mit rund 6 Millionen fm etwa ein Viertel des westdeutschen Einschlagsolls ausmachen. Diese Menge reicht aus, um jeden Schnittholzbedarf, der durch die inländische Produktion nicht befriedigt werden kann, zu decken. Sie wirkt auch gleichzeitig preisregulierend. Die europäischen Schnittholzpreise liegen heute bereits für manche Sortimente unter den Preisen, die die einheimische Sägeindustrie unter Berücksichtigung der Stadt gestiegenen Rundholzpreise erzielen muß, und zeigen weiterhin eine rückgängige Tendenz. Schon heute sind recht fühbare Rückschläge auf dem Eichen- und Buchenholzmarkt festzustellen. Infolge der überwiegend ruhigen Geschäftslage in der holzverarbeitenden Industrie ist die Nachfrage auf den Schnittholzmarkt gegenwärtig äußerst gering. F. Beyer