RKN., Zürich, Mitte Mai

Nun ist das im Oktober des Vorjahres beschlossene „Gesetz zur Förderung der Landwirtschaft“ durch eine Volksabstimmung, die nach lebhaftesten Propagandakämpfen vor sich ging, approbiert worden. Und schon zeigen sich die von den Gegnern dieser Wendung zum massiven Protektionismus erwarteten Folgen. Da die schweizerische Landwirtschaft – durch das neue Gesetz praktisch vor jeder Konkurrenz durch Importe geschützt – keinem ernsthaften preislichen Wettbewerb vom Auslande her unterliegt, erhebt sie neue Preisforderungen, die sie damit begründet, daß eine „neue erhebliche Unterbewertung der landwirtschaftlichen Arbeit“ eingetreten sei, die das Ziel des Landwirtschaftsgesetzes – nämlich eine für die „kriegswirtschaftliche Neutralitätssicherung“ ausreichende Agrarerzeugung zu gewährleisten – nicht erreichen lasse...

Zunächst fordern die Molkereien eine Milchpreiserhöhung um einen Rappen je Liter, was allein schon genügen müßte, die Butter um 25 und den Käse um 12 Rappen je Kilo zu verteuern, selbst wenn sich nicht auch schon die Käseunion und die Käsedetaillisten diesen Forderungen so nachdrücklich angeschlossen hätten, daß dem Käsepreis eine Erhöhung um vielleicht 50 Rappen je Kilo droht. Bedeutet dies allein eine neuerliche Erhöhung des Lebenskostenindex um 0,6 v. H., so sind doch schon jetzt neue Preisforderungen auch für Getreide und Kartoffeln, zu erwarten; kurz, es ist das ganze agrarische Preisniveau, seitdem Prof. Laur und seine Getreuen eine Art von „Paritätspreissystem“ anstreben, in eine Bewegung geraten, der eine Bewegung des Lohnniveaus unweigerlich folgen wird. Und dies gerade in einer Zeit, in der auch die Schweiz die Folgen der „Geldverdünnung“ bereits sehr deutlich fühlt und alle maßgeblichen Stellen immer lauter zum Kampf gegen die vorschreitende Frankenentwertung aufrufen! Die Folgen dieses aus dem Agrarprotektionismus kommenden Preisauftriebes werden, neben den Sparern, die Exportindustrien fühlen; die bei einer sich zusehends differenzierenden Konjunkturlage schon heute in schärfster Preiskonkurrenz mit dem Ausland stehen. Die praktische Unvereinbarkeit protektionistischer Maßnahmen mit den Erfordernissen der Inflationsbekämpfung zeigt sich hier mit aller Deutlichkeit.