Die internationale Trampschiffahrt hat nach einem scharfen Rückgang der Frachtraten in der ersten Hälfte 1950 und einer nach Ausbruch des Koreakrieges einsetzenden Besserung der Geschäftslage ab Oktober 1950 eine Hochkonjunktur erster Ordnung erlebt. Die Nachfrage nach Tonnage wurde in der Folgezeit so groß, daß die Charterer des öfteren die größten Schwierigkeiten hatten, ihren Bedarf zu decken. Die Frachten stiegen von Monat zu Monat bis auf ein Vielfaches der in den besten Vorkriegsjahren bezahlten Raten. So wurde z. B. für Schwergetreide vom St.-Lorenz-Strom nach England/Kontinent im vorigen Jahr bis 26 s 3 d je Quarter Von 480 lbs bezahlt – gegenüber einer Höchstfracht von 5 s in dem guten Schiffahrtsjahr 1937, für Getreide von Sydney nach England bis zu 187 s je t gegen 50 s, für Kohlen von Rotterdam nach Westitalien 53 s die Tonne gegen etwa 12 s und von Cardiffnach Buenos Aires 125 s gegen 15 s. Der Frachtenauftrieb nahm erst ein Ende, als die amerikanische Schiffahrtsbehörde nach und nach Hunderte von Schiffen der stillgelegten US-Reserveflotte reaktivierte und zu etwas niedrigeren Raten als den auf dem offenen Markt bezahlten in der Kohlen- und Getreidefahrt nach den europäischen ECA-Ländern, nach Indien, Südamerika und Japan einsetzte. Es folgte eine Periode der Tonnagesättigung mit wechselnden Frachtraten, die aber auch auf ihrem niedrigsten Stande die Frachtraten des Jahres 1950 noch erheblich übertrafen. Bis Ende 1951 wurden über 500 „Liberties“ und „Victories“ in Fahrt gebracht, was einer zusätzlichen Tonnage von mehr als 3,5 Mill. BRT oder 5,2 Mill. t Tragfähigkeit entsprach. Dazu kamen mindestens 1,5 Mill. BRT an Neubauten (die übrige in Fahrt gesetzte neue Tonnage bestand aus Tankern und Passagierschiffen), und schließlich wurde auch eine größere Anzahl deutscher, japanischer und italienischer Überseeschiffe in Fahrt gestellt –, ein Zuwachs, der von englischer Seite auf etwa 1 Mill. BRT berechnet wurde. Von diesem Zugang von insgesamt § Mill. BRT zu der 1950 in Fahrt befindlichen Flotte sind etwa 500 000 BRT an. Schiffs Verlusten durch Unfälle und Abwrackungen abzuziehen, so daß ein Nettozuwachs von 5,5 Mill. BRT = über 8 Mill. t Tragfähigkeit verbleibt.

Aber selbst dieser enorme Tonnagezuwachs hat die Trampschiffahrtskonjunktur nicht zu erschüttern vermocht. Die Frachtraten gaben zwar etwas nach, aber der Frachtenindex der englischen Schiffahrtskammer verzeichnete für Dezember 1951 immer noch, eine Monatszahl von 168,5 und einen Jahresdurchschnitt von 173,7 gegenüber einer Durchschnittszahl für 1950 von nur 84 und 82,3 für 1949. Erst als sich im Februar/März 1952 die Nachfrage Europas nach amerikanischer Kohle verringerte, als sich durch Dollarmangel und Konjunkturstörungen Rückgänge im Welthandel bemerkbar machten, gaben die Frachtraten ernsthaft nach. Die Getreidefracht von St. Lorenz nach -England/Kontinent ging nach und nach auf 13 s je qr gegen 26 s 3 d in den besten Monaten 1951 zurück, die Kohlenfracht von Hampton Roads, die von der amerikanischen. Schiffahrtsbehörde auf 10,50 $ je t festgesetzt worden war, auf 7,15 $.

Als die Frachtrückgänge größer wurden und die Gefahr näher rückte, daß die amerikanischen Trampschiffe mit ihren wesentlich größeren Betriebskosten nicht mehr auf ihre Rechnung kamen und unterstützt werden mußten, entschloß sich die Regierung der USA, die eingesetzten Reserveschiffe wieder aus der Fahrt zu ziehen. Zwar ist bisher erst ein Teil dieser Fahrzeuge stillgelegt worden – der Rest soll bis Ende Juni folgen –, aber die rückgängige Bewegung der Frachtraten ist bereits aufgefangen und auf einigen Märkten von einem neuen leichten Auftrieb abgelöst worden. Die Rate von St. Lorenz nach England/Kontinent ist auf 13 ’s 9 d bis 14 s 6 d je nach Abladetermin gestiegen, die Kohlenfracht von Hampton Roads nach Antwerpen oder Rotterdam auf 8,50 $. Die Trampreeder sehen der weiteren Entwicklung des Frachtenmarktes jetzt wieder sehr viel hoffnungsvoller entgegen und sind der Meinung, daß die Durchschnittsfrachtraten während der nächsten sechs Monate den etwas gebesserten Stand bewahren werden, der jetzt für die Mai/Juni-Verschiffungen erreicht wurde und ihnen trotz der inzwischen stark gestiegenen Betriebskosten einen guten Nutzen läßt. er