Die Begebung der 8prozentigen mündelsicheren Schatzanweisungen von 1952 des Freistaates Bayern über die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank zum Kurs von 98 v. H. netto bei einem Zinssatz von 8 v. H. und einer Laufzeit von 6 Jahren (Kündigung nach sechsmonatiger Laufzeit mit einer Frist von 6 Monaten) hat eine starke, wenn auch sehr unterschiedliche Reaktion hervorgerufen. Die eine Seite spricht von einem „Schlag gegen die Kapitalmarktreform“ und von „bayerischem Egoismus“, der mit dem Vorprellen in der Zinsfrage offenbar geworden sei; vor allem wird kritisiert, daß der Finanzminister die Anleihe aufgelegt habe, ohne daß der bayerische Staatshaushalt einen Notstand bot, und ohne daß die Landeszentralbank (oder Staatsbank) und das Bankenkonsortium befragt wurden. Die andere Seite meint, es sei erfreulich, daß endlich ein Land den Zinsstop durchbreche und dem Sparer eine Rendite biete, die (heute) als angemessen gelten könne.

Der Vertreter des bayerischen Finanzministeriums, Ministerialrat Dr. Barbarino, bezifferte den Anleihebedarf Bayerns für Ausgaben im außerordentlichen Haushalt auf rund 350 Mill. DM, wovon vordringlich 147 Mill. DM für 1951 abgedeckt werden müßten. Für die in nicht begrenzter Höhe aufgelegte Anleihe, auf die bisher bereits rd. 100 Mill. DM, davon 70 v. H. von außerhalb Bayerns, gezeichnet wurden, ist der Zeichnungsschluß (für das Inland) auf den 12. Mai, 24 Uhr, festgelegt: „unter dem Druck der von der Wirtschaft geäußerten Bedenken“ – sagen die einen; „auf Grund des günstigen Ergebnisses“ – erklärt der bayerische Ministerrat im Einvernehmen mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. Bei einem Zeichnungsergebnis der Anleihe von 100 Mill. DM wird Bayern, dem unter anderen vorgeworfen wurde, es habe mit diesem „Fischzug auf dem Kapitalmarkt“ seinen Profit machen wollen, über die 2prozentige Zinserhöhung jährlich 2 Mill. DM mehr an Zinsen zu leisten haben. Dieser Einwand Erwin Hielschers, des Stadtkämmerers von München, ist Wasser auf die Mühlen jener, die glauben, den Kapitalmarkt ohne Zinsbelastung erweitern zu können. Bayern hat außerdem von einem Recht Gebrauch gemacht, das die Genehmigungspflicht für Länder bei höheren als 6,5prozentigen Wertpapieren nicht nötig machte. Bayerns Vorstoß könnte allerdings Anlaß zu weiterer Kapitalmarktgängelung (sprich: Genehmigungspflicht auch für die Länder) werden.

Es ist noch nicht abzusehen, ob dieses Durchschlagen des Zinsknotens eine Reihe von weiteren attraktiven Anleihen auslösen wird, die den Kapitalmarkt abschöpfen werden. Das Problem der Dividendenstop-Verordnung wird auf jeden Fall dadurch der Lösung näher kommen. Nicht abzusehen ist auch die Rückwirkung auf Industrie-Obligationen und Wandelschuldverschreibungen (über die erste Reaktion der Börse: siehe S. 10). Die Stückelung der Anleihe läßt andererseits soviel erkennen, daß sie in erster Linie auf die großen Geldgeber abgestellt ist.

Koe