Sinn ihrer selbst: „...immer nur diese Interpunktionszeichen und nichts dahinter ... Das Ganze einschließlich Geist und Stil und Sitte – was ist denn das?“ Diesmal scheint der Große Vater nicht mehr unbeteiligt oder gar schläfrig; er wird immer ärgerlicher – bis er auf dem Höhepunkt des Dialogs schreiend ausbricht: „Was soll denn sein? Im Dunkel leben, im Dunkel tun, was wir können – das soll sein.“ Aber das ist zu wenig, denn aus dem Chor, der im kurzen Schlußteil alle Stimmen zusammenfaßt, kommt erneut die Frage: „Wie ist das wohl zu-deuten?“

„Wie ist das wohl zu deuten?“ Diese Frage möchte man auch an viele Stellen des Bennschen Dialogs stellen; der Satz daraus, daß zum Ansehen manches zu schön und zum Ausdeuten manches zu wenig sei, trifft auf ihn selbst nur zur ersten Hälfte zu. Entscheidend wäre zu wissen: wem gehört eigentlich die Stimme hinter dem Vorhang? Spricht Gott? Dies Wort kommt nur zweimal vor – als „G...“ abgekürzt; Gott, der voll ausgeschriebene, der heile Gott tritt auch diesmal bei Benn nicht auf. Immerhin deutet der Vorhang, der diesen rätselvollen Erzeuger von seinen Kindern trennt, seine Transzendenz an. Doch warum das wütende Gebrüll: „Was soll denn sein?“ Vielleicht ist dieser Zug, eine als zudringlich transzendent empfundene Frage so abzuwehren, dem grimmigen Gott des Alten Testaments entlehnt. Vielleicht sucht Benn aber auch – dieser Verdacht drängt sich auf – so über die hoffnungslos diesseitige Antwort hinwegzukommen.

Hart wie die Analyse, zerrissen wie die dargestellte Welt, aber genau so melancholisch schön ist die Sprache des Dialogs. Sein oft substantivischer Stil fordert das Ohr (und weniger das Auge), das ihn aufnimmt. Es gelang den Hauptsprechern Radio Bremens, die faszinierende Prosa stark herauszubringen, und der Regie Gert Westphals, das anspruchsvolle, äußerlich kaum dramatische Gespräch stilecht und doch sehr lebendig zu führen. Eberhard P. Michalek

Vom 27. bis 30. Mai findet in Stuttgart die 15. Kunst-Auktion des Stuttgarter Kunstkabinetts Roman Norbert Ketterer statt. Der Katalog verzeichnet viele und ausgewählte Werke der Kunstliteratur, illustrierte Bücher und Mappenwerke. An Graphik sind wieder hervorragende Lithos von Toulouse-Lautrec vorhanden, darunter eine vollständige Folge von Elles in einem besonders schönen Exemplar. Sehr reichhaltig sind Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen des 19. Jahrhundert und Graphik des 15. bis 18. Jahrhunderts angebogen. Von Werken des 20. Jahrhunderts seien insbesondere eine große Kollektion E. L. Kirchners und schöne Blätter von Edvard Munch erwähnt.