Während noch, der ungelöste Streit um das iranische Erdöl als dunkle Gewitterwolke über dem Nahen Osten steht, hat sich durch ein Wetterleuchten am 6. Mai die Bildung einer neuen Gewitterfront über der arabischen Halbinsel angekündigt. An diesem Tage gab nämlich ein Sprecher der Arabian American Oil Company (Aramco) bekannt, daß die Regierung Saudi-Arabiens in Beratungen mit seiner Gesellschaft, die Mitte Januar begannen, eine umfassende Revision des bereits im Dezember 1950 abgeänderten Konzessionsvertrages aus dem Jahre 1939 gefordert habe. Während der Sprecher der Aramco sich auf diese lakonische Mitteilung beschränkte, teilte ein Vertrauensmann der saudiarabischen Regierung in einem Interview mit einem Vertreter der Associated Press Forderungen mit, die die Regierung in den Gesprächen mit der Aramco geltend gemacht habe. Wie unangenehm der Eindruck ist, den dies bei den interessierten Kreisen in den Vereinigten Staaten hervorgerufen hat, kann allein schon daraus ersehen werden, daß mehrere Tage vergingen, ehe die amerikanische Presse eine den Inhalt des Interviews stark abschwächende Meldung brachte.

Die Konzession der Aramco in Saudi-Arabien ist gebietsmäßig die größte der Welt. Sie umfaßt mit ihren 1200 000 Quadratkilometern ein Gebiet, das etwa dem sechsten Teil der Vereinigten Staaten ohne Alaska entspricht. Hinzu kommt, daß die Aramco mit einer Tagesproduktion von mehr als 120 000 Tonnen der größte Erdölproduzent der Welt ist, dem für den Abtransport dieser gewaltigen Mengen die größte und längste Pipeline der Welt, die mit einem Röhrendurchmesser von 75 bis 80 cm von Ras Tanura am Persischen Golf über 1800 Kilometer nach Sidon an der libanesischen Mittelmeerküste verläuft, zur Verfügung steht. Bei Aufzählung dieser Superlative soll nicht unerwähnt bleiben, daß von den 4,36 Milliarden Tonnen nachgewiesener Öl-Reserven im Nahen Osten allein 2,7 Milliarden, Tonnen auf der arabischen Halbinsel vorkommen, von denen sich 1,9 Milliarden Tonnen in den Händen amerikanischer Ölgesellschaften befinden. Diese mächtige amerikanische Ölposition in Arabien wird noch dadurch gestärkt, daß der Konzessionsvertrag der Aramco bis zum Jahre 1999 läuft. Die amerikanischen Ölgesellschaften, unterstützt von der Regierung in Washington, haben sich in der Zeit von 1927 bis 1939 diese Position in einem hartnäckigen Kampf gegen die von der englischen Regierung in jeder erdenklichen Weise geförderten englischen Ölinteressen erworben. Für den Ausgang des Kampfes aber war schließlich die Tatsache ausschlaggebend, daß König Ibn Saud im Gegensatz zu den Regierungen der übrigen arabischen Staaten und den Scheichs der kleinen, am Rande der arabischen Halbinsel gelegenen arabischen Fürstentümer, um seine politische Unabhängigkeit nicht zu verlieren, niemals Bindungen mit England über die Gewährung von Bohrkonzessionen eingegangen war. Was Ibn Saud vor zwei Jahren bei Abschluß des Abänderungsvertrages der Konzession aus dem Jahre 1939 als vorteilhaft angesehen und was der iranischen Regierung den letzten Anstoß zu ihrem Kampf gegen die Anglo Iranian Oil Co. gegeben hatte: die Erhöhung der staatlichen Einkünfte bis zur Hälfte des Netto-Gewinnes der Gesellschaft, scheint für ihn heute offenbar überholt und revisionsbedürftig zu sein. Was der König im einzelnen verlangt, ist nach den reichlich undurchsichtigen Dementis, die inzwischen ausgegeben, worden sind, nicht deutlich zu ersehen. Jedenfalls haben nun auch die Amerikaner Schwierigkeiten mit ihren Ölkonzessionen im Vorderen Orient, was sie vielleicht veranlassen könnte, nicht nur die englische, sondern auch die eigene Politik im Mittelmeer und im Orient mit anderen Augen anzusehen. E. K.