Von Walther F. Kleffel

Ehe sich am nächsten Sonntag auf dem Nürburgring wieder die Starterflagge senkt, um die Teilnehmer des „Internationalen ADAC-Eifelrennens für Motorräder und Wagen“ auf ihre Hetzjagd über die Bahn zu schicken, sollte man sich rasch noch der Zeiten erinnern, da der Plan zu dieser schönsten Rennstrecke der Welt geboren wurde. Es waren auch damals trübe Jahre nach einem verlorenen Kriege. Die Arbeitslosigkeit grassierte wie eine giftige Epidemie in Deutschland. Gut ging es niemandem, und die Landschaft der Eifel stand obenan auf der Liste der Notstandsgebiete.

Da faßte ein energischer und kluger Mann einen verblüffenden Entschluß. Zunächst und auf alle Fälle wollte er der verheerenden Arbeitslosigkeit im Landkreis Adenau ein Paroli bieten, alles Weitere würde sich finden. Landrat Dr. Creutz – die Kraftfahrer aller Länder sollten ihm niemals ihren schuldigen Dank versagen – griff kurzerhand auf eine Idee zurück, die schon aus den Anfangszeiten der automobilistischen Entwicklung stammte und die den Bau eigener Kurse für schnelle Rennwagen vorsah. Damals – um die Jahrhundertwende – war man auf drei Gebiete gestoßen: die Eifel, die Lüneburger Heide, den Taunus. Nun also die Eifel! Dr. Creutz sprach mit den Männern des ADAC darüber; das Reich, Preußen und die Rheinprovinz wurden interessiert; am 29. September 1925 konnte der Grundstein gelegt und aus Mitteln der produktiven Arbeitslosenfürsorge mit dem Bau des Ringes begonnen werden. Zunächst traten 600 Arbeiter zu den Erdbewegungen an, bald waren es deren 2500, und als man insgesamt 784 510 Tagewerke abgeleistet, über 170 000 Kubikmeter Erde bewegt und 200 000 Kubikmeter Felsmassen fortgeräumt hatte, war der Nürburgring fertiggestellt und konnte im Juni 1927 mit dem ADAC-Eifelrennen für Wagen und Motorräder feierlich eröffnet werden. Eine 28 Kilometer lange Strecke mit 170 Rechts- und Linkskurven, mit einem Höhenunterschied von 300 Metern, einem Gefälle bis zu 11 v. H. und Steigungen bis zu 17 v. H. (auf der „Steilstrecke“ sogar bis zu 27 v. H.).

Nun sind seit diesem Tage 25 Jahre vergangen, und der Nürburgring feiert sein Jubiläum. Mit ihm wurde nicht nur dem internationalen Rennsport die idealste Rennstrecke geschenkt, sondern auch, was gleich wichtig und bedeutungsvoll ist, der Kraftfahrzeugindustrie eine unübertreffliche Prüfungsstraße zur Erprobung ihrer Erzeugnisse zur Verfügung gestellt; darüber. hinaus aber wurde für die Kraftfahrtouristik und den Fremdenverkehr ein landschaftlich äußerst reizvolles Gebiet erschlossen, das bald eines der beliebtesten Besuchsziele wurde. Denn eine Fahrt über den Ring ist eines der schönsten Erlebnisse, die ein Kraftfahrer haben kann. Manche zieht vielleicht auch der Wunsch dorthin, einmal ein kleiner Caracciola zu sein und eine schnelle Runde „über die Strecke zu drehen“.

Die Geschichte des Nürburgringes schreiben, hieße die Geschichte des internationalen Kraftfahrrennsportes des letzten Vierteljahrhunderts zeichnen. Hier trafen sich die Großen der internationalen Rennfahrerzunft, hier machten sich die besten Automobil- und Motorradfabriken der Welt den Sieg streitig, und nur wer auf dem Nürburgring bei den Rennen des ADAC, des AvD und des DMV sein Können bewiesen hatte, galt etwas unter den Automobilisten und Motorradfahrern aller Erdteile. Hier leuchteten – um nur einige wenige zu nennen – die Namen von Werner, Caracciola, Stuck, Brauchitsch, Morgen, Rosemeyer, Delius, Lang und Kling auf; hier begeisterten Männer wie Chiron, Varzi, Nuvolari, Campari, Seaman, Urban-Emmerich, Junek Ascari, Wimille die Hunderttausende, und hier konnte man die Erzeugnisse der besten Automobilwerke der Welt bewundern: Mercedes, Auto-Union, Bugatti, Alfa-Romeo, Maserati, Talbot, Amilcar, Ferrari und andere. Hier auf dem Nürburgring entbrannte immer wieder auch der Kampf um die Vormachtstellung zwischen dem deutschen und dem englischen Motorradbau, der 1930 sogar 16 Fahrer ins Rennen schickte. Englands Überlegenheit war auf dem Nürburgring nicht zu brechen, so tapfer sich auch unsere Kämpen schlugen.

Das Jubiläumsrennen am Sonntag wird sich würdig seinen Vorläufern anschließen. Es ist eine wesentlich größere Besetzung gefunden als die Rennen der vergangenen Jahre. In letzter Minute lief noch aus England die Meldung der beiden britischen Spitzenfahrer Stirling Moss und Duncan Hamilton beim ADAC ein, die auf ihren HMW in dem H.-J.-v.-Morgen-Erinnerungsrennen (Klasse Formel 2) gegen unsere