Australien hat, zum Ausgleich seiner Handelsbilanz, die Einschränkung seiner Lieferungen nach Großbritannien mit einer Begrenzung der Einfuhren britischer Güter beantwortet. Bis zum 30. Juni 1952 war ein kontingentierter Warenverkehr mit Großbritannien vereinbart, in dessen Rahmen britische Güter im Werte von 660 Mill. £ importiert werden sollten, und der im Falle einer Aufhebung von Beschränkungen sogar auf 1,2 Mrd. £ (einschließlich von Frachten und Nebenkosten) hätte ansteigen können. Die britische Importsperre vermindert den australischen Exportüberschuß von 700 auf wahrscheinlich 350 Mill. £.

Von den australischen Gegenmaßnahmen werden vor allem die britische Textilindustrie mit einer Verminderung ihrer Kontingente um 80 v.H. und die britische Automobilindustrie mit einer Beschränkung um 25 v. H. (auf 80 v. H. bei kompletten und auf 40 v. H. bei zerlegten Einheiten) betroffen. Die Maßnahmen wurden von offiziellen Sprechern als „Ende der britisch-australischen Flitterwochen“ bezeichnet, und es wurde daran Kritik geübt, daß man in Großbritannien den australischen Markt „allzu selbstverständlich“ als Reservat betrachtet hätte. In Lancashire weist man darauf hin, daß die ohnehin schlechte Exportlage der Textilindustrie bei Verlust des australischen Marktes zu Arbeitslosigkeit führen müsse. Der australische Ministerpräsident Menzies erklärte, seine Regierung würde gern alle Handelsbeschränkungen aufheben, wenn dies ohne Defizitfolgen für sein Land möglich wäre. Als erste Maßnahmen auf eine nun notwendige Umstellung in der australischen Außenwirtschaft wurde die Landwirtschaft aufgefordert, die Anbaufläche für Weizen um 1 Mill. acres zu steigern, wodurch 30 Mill. $ „eingespart“ werden könnten. Ferner wurden Krediterleichterungen für „lebenswichtige Güter“ (Grundstoffe und technische Ausrüstungen) herstellende Betriebe angekündigt, oder für solche Waren, wo sich im Verlauf der Handelsbeschränkungen voraussichtlich Knappheiten ergeben. Erst kürzlich waren, zur Bekämpfung der Inflation, die Kreditbestimmungen verschärft worden. – Neuseeland hat zu ähnlichen Maßnahmen gegriffen.

In Großbritannien wird darauf hingewiesen, daß die Importbeschränkungen gegen Australien durch vermehrten Güteraustausch mit anderen Ländern wettgemacht werden, und daß die Verminderung britischer Exporte nach Australien effektiv zu einer wesentlichen Verbesserung der britischen Handelsbilanz führen müsse. (Das ist daraus zu erklären, daß der Hauptteil der britischen Lieferungen bei Verrechnung zu britischen Kriegsschulden keine Erträge brachte, sondern auf Kosten des Schatzamtes ging.) Nunmehr werde der britische Export in solche Länder gelenkt, wo sie den höchsten Ertrag in Devisen oder hochwertigen Rohstoffen erbringen. Falls sich damit eine grundsätzliche Wende in der britischen Wirtschaftspolitik ankündigt, wird der Handelsverkehr Großbritanniens mit seinen Gläubigerländern starke Einschränkungen erfahren. Unter anderem gehören Indien, Pakistan und Ägypten sowie die arabischen Ölländer zu den Verrechnungspartnern. Damit würden sich die britischen Exporte künftig vor allem dem Dollarmarkt, Lateinamerika und Afrika, aber auch den europäischen Ländern zuwenden. EOG.