In der vergangenen Börsenwoche brauchte man nach den Gründen für die abermaligescharfe Abwärtsbewegung der Aktienkurse nicht lange zu suchen: einmal wirkte die Bayernanleihe noch nach, zum andern war der Schock, den die Heranziehung der Aktien zum Lastenausgleich hinterlassen hat, doch tiefer gegangen, als es ursprünglich den Anschein hatte. Als neue Momente kamen die Streikdrohungen des DGB und nicht zuletzt das Tauziehen um den Generalvertrag hinzu. Allerdings haben die niedrigen Kurse die Käufer mittlerweile aus ihrer Reserve gelockt, wodurch die Börsen zum Wochenschluß erstmalig wieder eine freundlichere Note erhielten.

Montane, die in den schwachen Tagen die Hauptlast der Verluste trugen, waren auch am Wiederanstieg am stärksten beteiligt. Als positiver Impuls wirkten sich, hier die Nachrichten über die zu erwartenden günstigen Umstellungen bei den Vereinigten Stahlwerken, Mannesman und Gutehoffnungshütte aus. Sie gaben dem Markt inmerhin so viele Anregungen, daß die negativen Momente angehoben wurden, die sich, aus den Gesprächen über die alliierte Zwangsverkaufsanordnung für die bei der Montinneuordnung anfallenden Spitzenbeträge ergaben. Auch die Tatsache, daß bei der GHH die angemeldeten Ansuche auf Zuteilung von Sammeldepotstücken um etwa 20 000 DM zu hoch sind, brachte nur eine vorübergehende Beunruhigung. Mißgestimmt war man dagegen über die Verschleppung der Zulassung der IG-Farben-Aktienzum Börsenhandel, die nach einem jetzt bekanntgewordenen Plan der Alliierten erst erfolgen soll, nachdem die Bilanz für 1951 publiziert worden ist, Bisher galt für die Zulassung als Termin die Veröffentlichung der Geschäftsberichte für 1949 und 1950.

Völlig vernachlässigt waren die Lokalwerte, bei denen die Kursbildung dem Zufall überlassen blieb, so daß hier in einigen Fällen mehrprozentige Abschläge zu verzeichnen sind. Ebensowenig Interesse bestand für die Reederei-Aktien. Das anfallende Material wurde nur sehr zögernd aufgenommen. Günstiger war die Lage auf dem Elektromarkt, wo die Standardpapiere AEG und Siemens sich behaupten konnten. Die ausführlichen und beruhigenden Erklärungen des Siemens-Vorstandes dürften hier zu einer guten Beurteilung beigetragen haben. – Wenn auch auf dem Rentenmarkt, der mehr und mehr verödet, größere Kursveränderungen nicht eintraten, so ließ sich doch ein Abbröckeln infolge Gewinnmitnahmen und Tauschoperationen nicht verhindern. Für Zuteilungsrechte aus Rentenwerten hielt die rege Nachfrage jedoch nach wie vor an. -ndt

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Von der Berliner Kraft und Licht AG. (Bewag) konnte in dem am 30. Juni 1951 beendeten Geschäftsjahr ein Reingewinn von 3,68 Mill. DM erwirtschaftet werden, aus dem die Verluste der beiden vorangegangenen Geschäftsjahre mit 3,44 Mill. DM gedeckt und 0,24 Mill. DM vorgetragen wurden.