„China, das ist das Lachen mitten in der Katastrophe“, erklärt Robert Guillain, der jahrelang in China gelebt hat, davon noch sechs Monate unter den Kommunisten.

China – das bedeutet 400 bis 500 Millionen Lacher, es ist das weitaus größte Reservoir des Humors auf der Welt. Und dies, obwohl das Leben in China keineswegs drollig ist. Die Chinesen leben ständig am Rande von Katastrophen. Die Katastrophen heißen: Taifun und Typhus, Pest und Hungersnot und Cholera, finanzielles Elend und seine Komplicen, die Inflation. Gerade war eine Überschwemmung vorbei, da kam die Revolution, und gerade war Tschiang Kai Schek verschwunden, da herrschte Mao Tse Tung.

Die Summe aller dieser Unglücke gibt den Grund, weshalb die Chinesen lachen: das Leben ist nicht lustig: Hätten die Chinesen ihr Lachen nicht, dann wäre ihr Leben völlig unerträglich. Wenn England, wie man sagt, im Nebel lacht, dann lacht China in der Katastrophe. Wäre das chinesische Désastre nicht noch größer, wenn die 400 Millionen auch noch trübsinnig wären?

So gesehen, ist das Lachen der Chinesen vor allem ein Gegengewicht gegen das Unglück, ein bewußter Gegenangriff gegen die Mißgunst des Schicksals. Die Chinesen sind aber nicht nur vier- oder fünfhundert Millionen Lacher, sondern sie sind zugleich auch Humoristen. Denn sie praktizieren auch das stumme Lachen: die Kunst, so zu scheinen, als lachte man nicht, die Kunst, drollig zu sein, ohne es zu wissen, die Kunst, so zu tun, als sähe man die traurigen Dinge nicht, über die es am Platze wäre, zu weinen.

Eines Tages begegnete Konfuzius einer alten Frau, die auf einem Feld mitten zwischen vier Gräbern saß. Es waren, wie sie ohne Tränen sagte, die Gräber ihres Vaters, ihres Mannes und ihrer beiden Söhne.

„Woran sind sie gestorben?“ fragte der Meister. „Der Tiger hat sie gefressen“, sagte die Alte mit einem düsteren Lachen.

„Wie kann man in einer so gefährlichen Wildnis leben!“, sagte der Meister,