Von Erich Werbezahl

Schon lange vor dem ersten Weltkrieg galt Albert Bassermann als die bedeutendste Erscheinung des deutschen Theaters. Das dokumentierte der Iffland-Ring, den ihm Friedrich Haase im Jahre 1911 mit folgenden Worten hinterlassen hat:

„Lieber Herr Bassermann! Wenn Sie diese Zeilen erhalten, bin ich in dem Lande, von des Bezirk kein Wanderer wiederkehrt. Ich lasse Ihnen den beifolgenden Ring übersenden, den ich mit Stolz lange Jahrzehnte trug. Es ist ein Ring, – der auf seiner Fläche ein Porträt Ifflands enthält, das in Eisen geschnitten und mit vielen Diamanten eingefaßt ist. Iffland gab diesen Ring dem jungen Ludwig Devrient. Dieser schenkte ihn vor seinem Tode seinem Neffen

Emil Devrient, der ihn Theodor Döring vererbte. Von diesem erhielt ich ihn mit dem kategorischen Wunsche, ihn bei meinem Ableben nur dem Schauspieler zu überlassen, den ich für eine solche Ehrengabe als Würdigsten erachte ... Ich übergebe diesen historisch gewordenen Ring Albert Bassermann, weil er unter den bekannt gewordenen deutschen Bühnenkünstlern mir am bedeutendsten erscheint, diesen Schmuck zu empfangen ...“

Wie jeder große Komödiant hat auch Bassermann neben seinen bedeutendsten Rollen in klassischen Stücken auch solche gespielt, in denen er seine vielseitigen Möglichkeiten voll entfalten konnte. Eine dieser Figuren war der Striese im „Raub der Sabinerinnen“. In der Szene, in der dieser Schmierendirektor hochtrabend prahlerisch und doch mit so tiefer Rührung von seinem berühmten Wandertheater erzählt, improvisierte Bassermann zur Freude seines Auditoriums in seinem mannheimerisch gefärbten Sächsisch jedesmal: „Kennen Sie Paul Wegener? Kennen Sie Albert Bassermann? – die sind aus meinem Ensemble hervorgegangen!“

In Wirklichkeit hat Bassermann, wie so viele Große um die Jahrhundertwende, nach einigen kürzeren Engagements an anderen Bühnen beim Theaterherzog von Meiningen begonnen, wo er vier Jahre lang gemeinsam mit Ludwig Wüllner, Gertrud Eysoldt und anderen, deren Namen nun verklungen sind, in großen und in Statistenrollen gewirkt hat, wie es der Meininger Tradition entsprach.

Erst dann ist Bassermann der ersehnte Sprung nach Berlin gelungen, an die erste deutsche Bühne der damaligen Zeit, ans Deutsche Theater, in dem er als Nachfolger von Josef Kainz vierzehn Jahre zu den ersten Kräften gezählt hat, zunächst unter der Direktion von Otto Brahm, später unter Max Reinhardt. Es war die Blütezeit des Naturalismus. Ibsens Dramen und die frühen Stücke Gerhart Hauptmanns beherrschten den Spielplan, und Bassermann hat in ihnen fast alle großen Rollen als erster gespielt. In dieser Zeit war er auch bereits der Herr von Sala in Schnitzlers „Einsame Weg“, eine Gestalt, die für immer eine von seinen tiefsten geblieben ist. Selbstverständlich hat Bassermann, der in der Anlage seiner Rollen immer von realistischer Psychologie ausgegangen ist, auch fast alle großen Rollen der Klassiker gespielt, so Othello, Percy, Hamlet, Malvolio, Shylock und König Lear, sodann Franz Moor, Geßler, Wilhelm Teil und Wallenstein, Nathan den Weisen und Meister Anton, dazu noch Egmont, Faust und vor allem immer wieder Mephisto.