Das Verdienst an dem für die ganze Welt überraschend schnellen Wiederaufbau der westdeutschen Industrie nach dem Krieg mit ihren beachtlichen Exporterfolgen kommt nicht zuletzt dem im In- und Ausland anerkannten Goodwill zu, der in der deutschen Wertarbeit liegt, in anschauliches Beispiel hierzu bietet die deutsche Strumpfindustrie, die vor dem Krieg ihr Zentrum in Sachsen hatte, in Westdeutschland dagegen kaum in Erscheinung trat. So verfügte die von Auerbach im Erzgebirge nach dem württembergischen Backnang umgesiedelte ARWA-Feinstrumpfwirkerei GmbH. A. R. Wieland zunächst nur über einige heimatvertriebene Facharbeiter und – über ihren Namen. Im Vertrauen auf diesen Namen gaben frühere Kunden dem Enkel des Gründers und jetzigen Chef, Hans Thierfelder, Kredite auf künftige Lieferungen, mit denen er in den USA 30 Cottonmaschinen kaufen konnte. Damit begann im Frühjahr 1949 in gemieteten Räumen die Strumpfproduktion.

Heute verfügt die Firma auf einem Gelände von über 18 000 qm über zwei 200 m lange Fabrikgebäude, über mehr als 100 Cottonmaschinen und beschäftigt fast 1500 Menschen, von denen 37 v. H. Heimatvertriebene, 23 v. H. Sowjetzonenflüchtlinge, 36 v. H. Einheimische und 4 v. H. Zugezogene sind. Mit einer Monatsproduktion von 700 000 Paar Strümpfen liefert sie über 20 v. H. der westdeutschen Strumpfproduktion. Da jetzt in drei Schichten gearbeitet wird, ist der Vorkriegsstand der Produktion trotz wesentlich kleinerem Maschinenpark (im Erzgebirge liefen 400 Maschinen) fast wieder erreicht worden. Die westdeutsche Strumpfindustrie kann heute nach Ansieht von Fachleuten den Inlandsbedarf decken, der zur Zeit bei jährlich 4,6 Paar („je Frau“) liegt, während er vor dem Krieg 12 Paar betrug. Demgegenüber verbraucht die Amerikanerin 48 Paar Strümpfe im Jahr. Der Export gewinnt auch für diesen Industriezweig immer mehr an Bedeutung. Die schärfste Konkurrenz sind hierbei die USA, die ihre Erzeugnisse fast um die Hälfte billiger liefern können. Bei der Firma beträgt der Exportanteil (Kunden sind vor allem Skandinavien und Afrika) zur Zeit rund 14,5 v. H. gegenüber 90 v. H. vor 1930 und 50 v. H. von 1931 bis 1939.

Besondere Beachtung verdienen auch die sozialen Leistungen dieses jungen „württembergischen“ Unternehmens. Von einer Lohn- und Gehaltsumme von insgesamt 427 233 DM im März d. J. waren 282 000 DM Produktionslöhne, 100 000 DM Hilfsarbeiterlöhne und 43 000 DM Gehälter. An gesetzlichen und freiwilligen Sozialleistungen wurden 80 000 DM aufgebracht. Zur Behebung der Wohnungsnot wurde mit dem Bau einer Werksiedlung begonnen. Allein im vergangenen Jahr konnten 15 Vierfamilienhäuser und ein Ledigenheim für etwa ‚100 Personen gebaut werden. Weitere 100 Wohnungen sollen in diesem Jahr errichtet werden. Außerdem werden der Betriebsangehörigen für den privater Wohnungsbau zinslose Baukostenzuschüsse bis zu 7000 DM und zur Beschaffung der Wohnungseinrichtung zinslose langfristige Möbeldarlehen gewährt.

So hat sich Unterrot zu einem Zentrum der westdeutschen Strumpfindustrie entwickelt – aufgebaut ohne Staatsdarlehen und Staatsbürgschaften. Als einziges Anfangskapital einen Namen dessen Bedeutung in der offiziellen Bezeichnung des neuen Ortsteils „Arwatal“ seine Anerkennung gefunden hat. CB.