Quelle des Reichtums: Öl – Die Scheiks sind stark im Lande

Von Marion Gräfin Dönhoff

Bagdad, Ende Mai

Zwei Ereignisse haben in den letzten achtzehn Monaten im Irak eine neue Situation geschaffen: der Auszug fast aller Juden und das neue Ölabkommen. Probleme und Möglichkeiten von kaum vorstellbarer Tragweite zeichnen sich ab.

Das neue Ölabkommen, das den Irakern eine fünfzigprozentige Beteiligung am Gewinn der I. P. C.-Ölgesellschaft und gleichzeitig die Verdoppelung der Produktion in den nächsten vier Jahren zusichert, bringt einen riesigen Kapitalstrom ins Land. Noch 1950 belief sich das gesamte Budget des Irak auf rund 30 Mill. Dinar bei damals einer Einnahme von 6 Mill. Öl-Royalties (1 Dinar gleich 1 £ Sterling). Im Jahre 1952 werden die Einnahmen allein aus dem Ölabkommen 31 Millionen betragen, und bis 1956 wird diese Summe auf rund 60 Millionen steigen. Man hat, um diese Mittel zweckmäßig zu investieren und die ökonomische Umstellung des Landes auf eine moderne Entwicklungsstufe zu überwachen,ein von der Administration unabhängiges development board eingesetzt, das 70 v. H. der gesamten Öl-Revenuen zugeteilt bekommt.

Der Auszug der etwa hundertzwanzigtausend Juden, deren Vorfahren zum Teil seit der „babylonischen Gefangenschaft“ im Lande waren, hat zunächst einmal Schwierigkeiten gebracht. Insofern nämlich, als die Juden einen wesentlichen Teil der Mittelschicht des Landes darstellten. Sie waren die Buchhalter in den Banken und großen Unternehmen, sie hatten den Handel in der Hand, und wenn sie dabei auch nicht zuletzt auf ihren eigenen Vorteil bedacht sein mochten, so schnitt die Allgemeinheit dabei doch immer noch besser ab als heute, da unerfahrene Kaufleute an ihre Stelle gerückt sind und ein beachtliches Durcheinander angerichtet haben. Auf die Dauer aber dürften diese Kalamitäten sich zweifellos beheben lassen.

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