Gottfried Wilhelm Leibniz: Schöpferische Vernunft, Schriftteil aus den Jahren 1668–1686. Zusammengestellt und erläutert von Wolf von Engelhardt. (Simons Verlag Marburg, 544 Seiten, Leinen 27 DM).

Man sucht in der philosophischen Literatur des Abendlandes wahrlich vergeblich nach Gedanken, die an Formulierung, Klarheit und versöhnender Kraft denen des Leibnizschen Werkes entsprechen. Eben weil sein Denken sich niemals in einem System verfing, sondern in jener Geöffnetheit verharrte, die echtes Philosophieren fordert. Daher hat er uns keine großen „Werke“ hinterlassen. Um so bedeutsamer hat er sich in Artikeln für Zeitschriften und in seinen Briefen geäußert.

Die vorliegende Sammlung aus den Schriften seiner frühen Lebenshälfte macht zum erstenmal den Versuch, die Entwicklung seiner Denkformen und Ausdrucksweisen sichtbar zu machen, den Zusammenhang mit seinen späteren Schriften zu knüpfen. Diese frühen Schriften sind eines der besten Zeugnisse dafür, wie der Geist seiner mittelalterlichen Befangenheit entwächst, um in Mathematik und Naturwissenschaft neue Perspektiven des Verstehens zu entdecken. Die meisten der hier veröffentlichten Abhandlungen waren bisher nicht übersetzt (außer zwei Aufsätzen). Die „Entwürfe zu einem Buch über die Naturwissenschaft“ sind aus der Handschrift der hannoverschen Bibliothek erstmalig übertragen und publiziert. Der Übersetzer wählte die Sprache unserer Zeit; aber seine Ausdrucksmittel sind so gewählt, daß sie vielleicht in optimaler Weise den besonderen Klang der Leibnizschen Sprache treffen. Leo Nitschmann