Lissabon, im Mai

Der alte Schlachtruf des Außenhandels: Exportieren oder sterben! hat sich in Portugal in das Gegenteil verwandelt. „Wir gehen bankrott an unserer Ausfuhr!“ Die Befürchtung, am Ende der gegenwärtgen EZU-Vereinbarungen anstatt der dringend gebrauchten Industrieausrüstungen lediglich Kreditguthaben bei der EZU zu besitzen und die wertvollen Rohstoffe los zu sein, hat fast zur Sperre des Exports aus Portugal und den Kolonien nach den EZU-Ländern geführt. In den vergangenen zwölf Monaten sind aus diesen Gebieten große Rohstoffexporte getätigt worden, die von der Bank von Portugal den portugiesischen Exporteuren entsprechend ihrer Gutschrift bei der EZU-Verrechnungsbank bezahlt wurden. Das bedeutete für das kleine und arme Land bei scheinbar ungewöhnlicher Prosperität mit einem Kreditsaldo von 2 Mrd. Esc. eine erhebliche Verringerung der Reserven. Denn die im freien Devisenverkehr konvertierbaren Escudos wurden im wesentlichen in ausländischen Produkten und Industrieerzeugnissen angelegt, die dem Aufbau der eigenen Wirtschaft in keiner Weise förderlich waren, während die erwünschten Stahl- und Maschinenbestellungen aus den Industrieländern nicht hereinkamen.

Kurz entschlossen ordnete die portugiesische Regierung die Einbehaltung von 30 v. H. von jedem Exporterlös aus Lieferungen in EZU-Mitgliedländer an, die so lange auf einem Fonds bei der Bank von Portugal eingefroren bleiben, bis sich das Guthaben bei der EZU auf 1,205 Mrd. Esc. gesenkt hat. Beim Überschreiten des Guthabens von 2,08 Mrd. Esc. soll der gesamte Exporterlös auf Eis gelegt werden. Doch dazu dürfte es wohl nicht mehr kommen. Denn der Produzent und Exporteur weigert sich, zu exportieren, nachdem zwei Monate praktischer Anwendung dieses Gesetzes die Senkung des Guthabens bei der EZU nicht erreicht haben. Für einige wichtige Rohstoffe ist der geförderte Prozentsatz aus dem Verkaufserlös inzwischen beträchtlich niedriger gesetzt worden, ohne aber damit den Exporteur zu locken. In den Überseeländern ist es vielmehr zu eindringlichen Protesten gekommen, und da sie in Lissabon tauben Ohren begegnen, haben sie zu einer Art Verladestreik der Exportfirmen geführt.

Die Annahme der Regierung freilich, dem findigen Exporteur werde es unter dem Druck der Exportdrosselung nach den EZU-Ländern gelingen, in USA, Kanada und anderen Dollarländern gegen harte Währung Käufer oder Wiederverkäufer zu finden, hat sich bisher nicht verwirklicht. Die Interessenten auf der anderen Seite des Atlantiks denken nicht daran, zu Preisen einer nur vorübergehend gedämmten Hausse fast aller portugiesischen Exportgüter zu kaufen. Wolfram ist in den letzten zwölf Monaten um 500 v. H. gestiegen, Kork um 100 v. H., Harz um 25 v. H. Portugal konnte es sich bei dieser Aufwärtsbewegung im letzten Jahr sogar leisten, Exportzölle einzuführen, die praktisch vom Abnehmer getragen wurden. Der von den USA manipulierte Preisstop könnte hier die Preisbewegung nur wenig aufhalten, und den Portugiesen erscheint ihre Ware immer noch mehr wert als der Verrechnungswert mit dem hohen Abzug.

Inzwischen hat die Lissabonner Regierung noch eine neue Exportgewinnsteuer auf Kolonialprodukte eingeführt, durch die 75 bis 85 v. H. des Mehrverdienstes beim Export weggesteuert werden. Dieser ergibt sich aus dem Vergleich mit den Preisen an der New Yorker und Londoner Börse i. J. 1949. Die hauptsächlich betroffenen Produkte sind Kaffee, Sisalhanf, Baumwollsaat und Manganerz aus Angola, Kakao und Kopra von San Thomé, Kopra, Akajounüsse aus Mozambique. Mit Hilfe dieser Sondersteuer sollen öffentliche Arbeiten und Siedlerhilfen in den Kolonialgebieten finanziert werden. Sie kommt aber zu spät, da bei den seit 1949 fast um das das Dreifache höheren Löhnen und Unkosten in den überseeischen Gebieten schwer ein Übergewinn zu errechnen sein wird. – Der Versuch, den portugiesischen Außenhandel auf diese Weise auch nur beschränkt zu „enteuropäisieren“, ist bisher, nicht gelungen, und der portugiesische Exporteur wartet darauf, daß seine Ausfuhr in die Länder der EZU wieder unbehindert ist. Hans Seligo

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Es war eine ausgezeichnete Idee, den deutschen Importeuren ein Verzeichnis von rund 15 000 amerikanischen Gesellschaften zur Verfügung zu stellen, um auf diesem Wege die Verbindung mit den amerikanischen Unternehmungen enger zu gestalten. Das Verzeichnis wurde von der Verwaltung für wirtschaftliche Zusammenarbeit verfaßt, es soll dem europäischen Importeur und auch dem amerikanischen Exporteur zur Verfügung stehen und ihm behilflich sein, Lieferanten und Güter zu finden. Das Handbuch kann bei der Gesellschaft zur Förderung des Deutsch-Amerikanischen Handels, Frankfurt/M., Börsenstraße 8, bezogen werden.